Medical Tribune
22. Feb. 2026Der Schulthek ist es meistens nicht …

Rückenschmerzen bei Kindern meist funktionell bedingt

Rund zwei Drittel aller Erwachsenen klagen über Nacken – oder Rückenschmerzen, aber auch bei Kindern und Jugendlichen sind Rückenschmerzen keine Seltenheit mehr. Am Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie berichtete Prof. Dr. Thomas Wirth, Stuttgart, über Prävalenz, mögliche Ursachen, Risikofaktoren, Therapie und Prävention kindlicher Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen im Jugendalter: Bewegungsmangel, langes Sitzen und Bildschirmzeit fordern bereits bei Teenagern ihren
kittyfly/stock.adobe.com

«Der Schulthek ist es meistens nicht», zitierte Prof. Wirth direkt zu Beginn seiner Ausführungen aus dem «Schweizer ElternMagazin». Vielmehr stehen auch bei Kindern und Jugendlichen mangelnde Bewegung und seelische Belastungen im Vordergrund.

Mädchen häufiger betroffen

Während Rückenschmerzen bei Kindern bis zehn Jahre noch sehr selten sind, haben Jugendliche schon eine deutlich höhere Prävalenz von 12–18 %. Spätestens mit der Pubertät wird das Thema relevant, so der Orthopäde. Dabei sind Mädchen häufiger betroffen als Jungs. Verdächtige Erkrankungen für Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sind Spondylolysen, Morbus Scheuermann und vor allem Skoliosen. So klagt etwa jeder zweite Jugendliche mit Skoliose über Rückenschmerzen, insbesondere wenn die Lendenwirbelsäule betroffen ist. Aber auch Bandscheibenvorfälle, Tumoren oder Entzündungen können hinter den geklagten Beschwerden stecken.

Nicht selten findet sich jedoch keine fassbare Diagnose, so der Experte. Auch in jungen Jahren überwiegt der unspezifische Rückenschmerz sehr deutlich. Trotzdem müssen vor allem bei Kindern unter zehn Jahren immer alle möglichen Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden. Ergeben sich in der gezielten Anamnese oder bei der ausführlichen Untersuchung Hinweise auf eine spezifische Ursache der Rückenschmerzen, sollte immer eine bildgebende Diagnostik (Röntgen / MRT) sowie eine Laboruntersuchung erfolgen. Zum Glück findet man «oft nur wenig», berichtete Prof. Wirth. Detaillierte Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie lassen sich in der S3-Leitlinie «Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen» der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin aus dem Jahr 2021 nachlesen.

Top-Freizeitaktivitäten «Internet», «Freundinnen/Freunde treffen», «Musik hören»

Risikofaktoren für das Auftreten von Rückenschmerzen sind neben dem Alter und dem Geschlecht, Übergewicht und der Status der körperlichen Reife.

Kindlicher Rückenschmerz ist aber auch Ausdruck gesamtgesellschaftlicher Veränderungen: So verlagert sich der Lebensschwerpunkt immer mehr aufs Sofa. Auf der einen Seite treiben Kinder und Jugendliche insbesondere Mädchen zunehmend weniger Sport und auf der anderen Seite nehmen Smartphone- und PC-Nutzung immer mehr Raum ein. Die Top-Freizeitaktivitäten von Kindern/Jugendlichen sind «Internet», «Freundinnen/Freunde treffen» und «Musik hören». Nur noch ein Drittel der Mädchen und knapp die Hälfte der Jungen treiben regelmässig Sport im Verein. so die Resultate einer Umfrage der «Jugendstudie 2024».

«Physiotherapie bringt selten den durchschlagenden Erfolg», so Prof. Wirth. Viel wichtiger sind präventive Massnahmen. Im Wachstum ist das neben der Haltungskontrolle vor allem eine regelmässige körperliche Aktivität. «Bleib in Bewegung» lautet das Motto. Besonders sinnvoll ist Ausdauersport, am besten mehrmals pro Woche.