Medical Tribune
6. Feb. 2026Zwillingsstudie zeigt geringere Inzidenz nach zehn Jahren

Metformin senkt Arthrose-Risiko

Metformin ist seit Jahrzehnten Therapiestandard bei Typ-2-Diabetes. Mittlerweile gilt es als «pharmakologisches Multitalent». Eine aktuelle Studie deutet nun darauf hin, dass Metformin möglicherweise auch die Entstehung von Arthrosen verhindern kann.

Metformin-Tabletten in klinischer Umgebung – Standardtherapie bei Typ-2-Diabetes.
Semi/stock.adobe.com

Weltweit leiden fast 600 Millionen Patienten an einer Arthrose. Mit der zunehmend alternden Gesellschaft und der steigenden Prävalenz von Adipositas wird die Krankheitslast weiter zunehmen. Mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern stehen derzeit aber nur wenig Behandlungsoptionen zur Verfügung. Der Bedarf an wirksamen Therapien, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, ist daher entsprechend gross.

Vor diesem Hintergrund rückt ein altbekanntes, kostengünstiges und gut verträgliches Medikament in den Fokus: Metformin senkt den Blutzucker und reduziert das Gewicht, zeigt aber gleichzeitig auch antiinflammatorische und antioxidative Effekte, moduliert den Energiestoffwechsel und verfügt über potenzielle Antiaging- und antitumorale Eigenschaften. Verschiedene experimentelle und klinische Studien konnten mittlerweile nachweisen, dass sich Metformin bei Arthrose günstig auswirkt, den Gelenkknorpel schützt und Schmerzen reduziert.

Die Frage, ob Metformin die Entstehung von Arthrosen generell verhindern kann, versuchten nun schwedische Forscher um Karin Magnusson von der Universität Lund zu klären. Für ihre Studie nutzten sie das schwedische Zwillingsregister mit über 50 000 Zwillingen im Alter von 35–75 Jahren. Die Wissenschaftler verglichen Patienten, die neu mit einer Metformin-Behandlung begannen, mit deren unbehandelten Zwillingsgeschwistern.

Zwillingspaare mit bereits bestehender Arthrose-Diagnose oder Metformin-Therapie waren von der Studie ausgeschlossen. Durch das Zwillingsdesign konnten die Forscher genetische Faktoren und frühe Umweltbedingungen kontrollieren. Zudem berücksichtigten sie Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, BMI, Rauchen und Bildungshintergrund. Nicht einbeziehen konnten sie jedoch den Diabetes-Status der Personen, da entsprechende Daten fehlten.

Metformin könnte ca. 30 % der Arthrose-Fälle verhindern

Nach bis zu elf Jahren entwickelten 5,4 % der mit Metformin behandelten Zwillinge eine Arthrose, verglichen mit 6,3 % ihrer unbehandelten Geschwister. Nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie Geschlecht, Bildung, BMI und Rauchen war das Arthrose-Rrisiko bei Metformin-Anwendern damit um etwa 40 % geringer (HR 0,60). Behandelte Zwillinge hatten einen höheren BMI als nichtbehandelte.

Auch in Sensitivitätsanalysen – z. B. nur bei Personen, die mindestens sechs Monate Metformin einnahmen – blieb dieser schützende Effekt bestehen. Nach zehn Jahren lag die kumulative Arthrose-Inzidenz bei 6,7 % unter Metformin gegenüber 9,7 % ohne Metformin. Das entspricht einer absoluten Risikoreduktion von rund 3 %. Hochgerechnet deutet dies darauf hin, dass Metformin etwa 30 % der Arthrose-Fälle bei Personen, die für diese Behandlung geeignet sind, verhindern könnte – wenngleich die Unsicherheitsintervalle sehr breit sind.

Gewichtsreduktion als zentraler Schlüssel

Die Ergebnisse stimmten in verschiedenen statistischen Modellen überein. Entscheidend war die Berücksichtigung des Körpergewichts, denn so wurde der Effekt von Metformin deutlich. Menschen mit hohem BMI bekommen häufiger Diabetes, nehmen öfter Metformin und haben ein höheres Risiko für Ar­throse. Die Autoren fordern deshalb weitere Studien, die den Einfluss von BMI-reduzierenden Massnahmen auf die Arthrose-Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung untersuchen.

Zu den Stärken dieser Studie zählen das Zwillingsdesign und die Verwendung landesweiter Registerdaten. Gleichzeitig weisen die Autoren auf Limitationen hin: So konnten sie den Diabetes-Status nicht vollständig erfassen oder eine Arthrose-Diagnose nur dann berücksichtigten, wenn diese in der spezialisierten Versorgung gestellt wurde.