Medical Tribune
5. Feb. 2026Remission senkt das kardiovaskuläre Risiko langfristig

Normoglykämie als neues Prädiabetes-Therapieziel

Bisher ging es bei der Behandlung eines Prädiabetes in erster Linie darum, einen manifesten Typ-2-Diabetes zu vermeiden. Der therapeutische Ansatz, die Blut­glukose wieder zu normalisieren, geht darüber hinaus. Normale Blutzuckerwerte bedeuten langfristig weniger kardiovaskuläre Ereignisse und verbessern die Überlebenschancen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Blutzuckerselbstmessung im Alltag: Normale Werte bei Prädiabetes können kardiovaskuläre Risiken senken und die Prognose
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Prädiabetes erhöht sowohl das Risiko für einen Typ-2-Diabetes als auch für kardiovaskuläre Erkrankungen und Herzinsuffizienz. Grosse Diabetes-Fachgesellschaften empfehlen deshalb multidisziplinäre Präventionsprogramme mit gesunder Ernährung, vermehrter Bewegung und Gewichtsabnahme.

Spezifische Plasmaglukose-Zielwerte gibt es dabei nicht. Metaanalysen mit über 16.000 Probanden konnten zeigen, dass solche Lebensstiländerungen bei Patienten mit Prädiabetes das Risiko für einen Typ-2-Diabetes wirksam reduzieren können. Besonders vielversprechend ist dabei die Strategie, den Blutzuckerspiegel wieder in den Normbereich zu bringen (Remission). Denn normalisiert sich der Glukosestoffwechsel wieder, sinkt das Risiko für einen Typ-2-Diabetes stark. Besonders erfreulich: Dieser Effekt hält nachhaltig auch über die Dauer der Interventionen an. Ob die Rückkehr zur Normoglykämie zusätzlich die kardiovaskulären Ereignisse und Mortalität reduzieren kann, war jedoch unklar.

Dieser Fragestellung gingen nun Elsa Vasquez-Arreola, National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Phoenix, und Kollegen nach. Sie führten eine Post-hoc-Analyse von zwei grossen randomisierten Präventionsstudien durch, der US-amerikanischen Diabetes Prevention Program Outcomes Study (DPPOS) und der chinesischen DaQing Diabetes Prevention Outcomes Study (DaQingDPOS).

Eine Remission bestand bei einer Nüchternplasmaglukose < 5,6 mmol/l, einer 2-Stunden-Plasmaglukose < 7,8 mmol/l und einem HbA1c < 5,7 %. In der DPPOS-Studie erhielten die Patienten ein Jahr lang spezielle Lebensstilinterventionen, in der DaQingDPOS-Studie sogar sechs Jahre. Der primäre Endpunkt in beiden Studien war ein kombiniertes Ereignis aus kardiovaskulärem Tod oder Spitalaufenthalt wegen Herzinsuffizienz nach 20 bzw. 30 Jahren. Sekundäre Endpunkte umfassten MACE (Major Adverse Cardiovascular Events), einzelne kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtmortalität.

Normoglykämie als entscheidender Faktor

Die Analyse zeigte: Patienten, die ihren Blutzucker wieder in den Normbereich bringen konnten, hatten langfristig weniger kardiovaskuläre Ereignisse und starben seltener daran. Besonders bemerkenswert war, dass dieser Vorteil über zwei bis drei Jahrzehnte nach Ende der aktiven Intervention anhielt (Legacy-Effekt). Im Detail erreichten in der DPPOS-Studie 11,5 % (275 von 2402) der Teilnehmer nach einem Jahr Intervention eine Remission. Diese Gruppe wies über eine mediane Nachbeobachtung von 20 Jahren eine deutlich geringere Rate für kardiovaskulären Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz auf als Personen ohne Remission.

Dieses Ergebnis blieb auch bestehen, wenn die Wissenschaftler alle Unterschiede zwischen den Gruppen, insbesondere die Einnahme von Medikamenten oder ein späteres Auftreten von Diabetes, berücksichtigten. In der chinesischen Studie fanden die Forscher denselben Effekt: Auch dort erlitten Menschen mit Remission etwa 50 % weniger kardiovaskuläre Ereignisse. Selbst Personen, die im Verlauf der Jahre nur ein einziges Mal eine Remission erreichten, hatten langfristig ein deutlich geringeres Risiko.

Menschen mit normalen Blutzuckerwerten zeigten eine bessere Insulinwirkung, hatten weniger viszerales Fett und weniger Entzündung im Körper – alles Faktoren, die nachweislich das Herz schützen. Die Behandlung von Prädiabetes sollte damit vorrangig darauf abzielen, den Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren. Die Evidenz spricht dafür, die Remission zur Normoglykämie neben der Gewichtsreduktion als eigenständiges Therapieziel anzusehen und in zukünftigen Leitlinien und Präventionsstrategien zu berücksichtigen.