Medical Tribune
30. März 2026Tumorrisiko rund zweifach erhöht

Nierensteine als Treiber von Nierenkrebs?

Nierensteine gelten in der Regel als schmerzhaft, aber harmlos. Eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse könnte diesen Grundsatz ins Wanken bringen. Sie zeigt ein erhöhtes Risiko für Nierenkrebs bei den Betroffenen.

Menschliche Niere im Detail: Symbolbild für die rechtzeitige Diagnose und Therapie von Nierensteinen.
Nadzeya/stock.adobe.com

Die Diagnose Nephrolithiasis erhalten 10 % aller Erwachsenen mindestens einmal im Leben. Die Steine sind dabei aber nicht nur unangenehm, sondern haben möglicherweise tiefgreifende Auswirkungen auf die Physiologie von Nieren, Blase und Harnwegen.

So haben Steinbildner ein erhöhtes Risiko für die chronische Nierenerkrankung und Harnwegsinfekte. Zudem legen einzelne Untersuchungen nahe, dass Nierensteine auch das Nierenkrebsrisiko erhöhen könnten. Die letzte Metaanalyse zu dem Thema aus 2015 ist allerdings schon etwas in die Jahre gekommen.

Autoren um Prof. Dr. Naeem Bhojani, Universität von Montreal, wollten die Evidenz mit den zusätzlichen, seither erschienenen Studien weiter prüfen. Dazu analysierten die Forscher 13 Beobachtungsstudien aus acht Ländern – darunter acht Fall-Kontroll-Studien sowie vier retrospektive und eine prospektive Kohortenstudie – mit variierenden Teilnehmerzahlen von etwas über 100 bis knapp 212 000.

Gemeinsam war ihnen, dass sie meist mehr Männer einschlossen (48–68 %). Das mittlere Alter der Studienpopulationen lag konsistent zwischen 49 und 65 Jahren. Das Verzerrungsrisiko bei zehn Studien ordneten die Forscher als gering, bei drei als moderat ein.
Im Schnitt war eine vorangegangene Nephrolithiasis in der Metaanalyse mit einem um 2,36-fach erhöhten Risiko für ein Nierenzellkarzinom assoziiert (RR 2,36; 95%-KI: 1,74-2,98; p < 0,001). Ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich dabei bei elf der 13 Einzelstudien. Der Risikoanstieg fiel bei Männern und Frauen ähnlich aus.

Die Sensitivitätsanalysen bestätigten die Robustheit des Befundes. So war der Effekt auch in Subgruppenuntersuchungen konsistent – unabhängig etwa davon, ob es sich um Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien handelte, ob medizinische Register oder Krankenakten genutzt wurden oder wie hoch der Männeranteil war.

Höhere Assoziation in neueren Studien

Auffällig war zudem ein zeitlicher Trend: In neueren Studien (2013–2018) fiel die Assoziation deutlicher aus als in älteren Arbeiten bis 2013 (RR 3,08 vs. 1,35; p < 0,001). Die Autoren führen dies vor allem auf Fortschritte bei der Bildgebung zurück. Heute werden Stein-Patienten häufig mittels CT untersucht; bis zu zehnmal häufiger als Personen ohne Steine. Dadurch werden kleine, zuvor unentdeckte Nierentumoren vermehrt zufällig entdeckt (Surveillance-Bias). Dazu passt auch der Befund einer früheren Studie, in der die bei Patienten mit Nierensteinen entdeckten Tumoren tendenziell kleiner waren als bei Patienten ohne Nephrolithiasis.

Die Autoren schlussfolgern, dass Patienten mit Nierensteinen von engmaschiger uroonkologischer Nachsorge profitieren könnten. Zugleich empfehlen sie auch die stärkere Prävention: Adipositas, Rauchen und bestimmte Ernährungsgewohnheiten sind gemeinsame Risikofaktoren für Steinbildung und Nierenkrebs. Von Lebensstilinterventionen könnten Betroffene somit doppelt profitieren – sowohl nephrologisch als auch onkologisch.

Einige Limitationen schränken die Interpretation ein

Die Forscher betonen allerdings, dass die Daten keinen kausalen Beweis liefern. So bleibt unklar, in welchem Ausmass der beobachtete Risiko­anstieg auf verbesserte Diagnostik oder echte Krankheitszunahme zurückzuführen ist. Um diese Fragen zu klären, sind weitere prospektive Studien erforderlich.