Medical Tribune
31. Jan. 2026Herausforderungen bei Prävention und Behandlung

Hepatitis B: Wo stehen wir heute?

Die WHO will bis 2030 die Zahl der Hepatitis-B-Infektionen um 90 Prozent und die Sterblichkeit um 65 Prozent senken. Dieses Ziel ist ehrgeizig, denn das Virus verfügt über komplexe Überlebensstrategien, und neue Therapien sind rar.

Rote Viren und blaue Antikörper veranschaulichen virale Hepatitis, Immunantwort, serologische Tests und die Diagnostik von
Елена Бутусова/stock.adobe.com

Weltweit wissen nur etwa 10 Prozent der geschätzt über 250 Millionen chronisch Infizierten von ihrer Erkrankung. Von diesen erhält lediglich jeder Zehnte eine Behandlung. In Ländern mit hoher Prävalenz – etwa 5 Prozent der Bevölkerung sind chronisch infiziert – erfolgt die Übertragung meist während der Geburt.

Ohne Prophylaxe entwickeln bis zu 90 Prozent der Babys HBV-positiver Mütter eine chronische Infektion. Schutz bietet eine rasche postnatale Impfung kombiniert mit Immunglobulinen, wie Ruma Rajbhandari von der Harvard Medical School und ihr Team berichten. Solche Impfprogramme, angepasst an die lokalen Gegebenheiten, sowie Aufklärung sind zentrale Bausteine der Prävention, auch wenn die Umsetzung oft schwierig ist.

Erst screenen, dann weitere Erkrankungen behandeln

In Regionen mit niedriger Prävalenz, etwa Westeuropa mit 1 Prozent chronisch Infizierten, erfolgt die Ansteckung meist horizontal – durch Geschlechtsverkehr, kontaminiertes Blut, intravenösen Drogenkonsum oder im Gesundheitswesen. Migration aus endemischen Gebieten spielt ebenfalls eine Rolle. Risikogruppen sollten daher auf HBV getestet werden. 2023 empfahl das US-Center for Disease Control and Prevention sogar ein generelles Screening aller Erwachsenen, unabhängig von Risikofaktoren. Vor der Gabe antiviraler Medikamente, Immunsuppressiva oder einer Chemotherapie ist ein Test auf HBV ebenfalls wichtig, um eine Reaktivierung zu verhindern.

Um den Inhalt zu sehen, müssen Sie sich einloggen oder registrieren.