Nach dem Myokardinfarkt auch psychische Folgen adressieren
Nach einem Herzinfarkt entwickeln bis zu 50 % der Betroffenen psychische Probleme. Sie leiden unter Depressionen, Ängsten, psychosozialem Stress oder einer Belastungsstörung. Als Ärztin oder Arzt sollte man sich nicht nur auf die kardiovaskuläre Therapie stürzen, sondern einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen.

Psychische Beschwerden bzw. Erkrankungen, die nach einem Myokardinfarkt auftreten, werden unter dem Begriff post-myocardial infarction psychological distress (PMPD) zusammengefasst. Dieser Distress erhöht die Gefahr für ein erneutes, potenziell tödliches, kardiales Ereignis, schreibt eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Glenn Levine vom Baylor College of Medicine, Houston, in einem wissenschaftlichen Statement der American Heart Association.
Menschen mit PMPD kümmern sich oft nicht um ihre kardiovaskulären Risikofaktoren, d. h. sie sind körperlich wenig aktiv oder nehmen ihre Medikamente unzuverlässig. Eine akute Stressbelastung kann bei ihnen zur koronaren Vasokonstriktion, zur erneuten myokardialen Ischämie und zu Wandbewegungsstörungen der Herzkammer führen. Auch die Suizidgefahr steigt bei PMPD an.
Manche Fragen motivieren Betroffene, sich zu öffnen
Levine GN et al. Post-Myocardial Infarction Psychological Distress: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 2025; doi: 10.1161/CIR.0000000000001381