Medical Tribune
16. Jan. 2026Sorgfältiges Management ist entscheidend

Antibiotika bei Frühgeborenen erhöhen Asthma-Risiko

Tiermodelle legen einen Zusammenhang zwischen einer frühen Antibiotika-Exposition und dem Auftreten obstruktiver Atemwegserkrankungen nahe. Bisher fehlten jedoch entsprechende Daten für Frühgeborene. Eine aktuelle deutsche Studie ging diesem Zusammenhang nach.

Eine Frau verabreicht einem kleinen Kind während eines Asthmaanfalls ein Notfallmedikament.
Grandbrothers/stock.adobe.com

Das German Neonatal Network erfasste zwischen 2009 und 2017 mehr als 22.000 Frühgeborene in einer multizentrischen Kohortenstudie.

Eingeschlossen waren Frühgeborene mit einem Gestationsalter von 22 + 0 Wochen bis 36 + 6 Wochen und einem sehr niedrigen Geburtsgewicht (< 1500 g). 3820 Kinder wurden im Alter von fünf bis sieben Jahren nachuntersucht. Die Datenanalyse beschränkte sich auf die Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen.

Mehr Asthma im frühen Kindesalter

Ein Antibiotic Risk Score (ARS) bewertete die Antibiotika-Belastung der Frühchen. Die Studie unterschied zwischen einer perioperativen Prophylaxe der Mutter (ARS I), einer zusätzlichen neonatalen postnatalen Antibiotika-Therapie (ARS II) und einer zusätzlichen maternalen pränatalen Antibiotika-Exposition (ARS III). Von den untersuchten Kindern gehörten 9,4 % zu ARS I, 42,7 % zu ARS II und 47,9 % zu ARS III. Der primäre Endpunkt der Studie war der z-Wert des FEV1 im Alter von fünf bis sieben Jahren. Sekundäre Endpunkte umfassten den z-Wert der forcierten Vitalkapazität (FVC) sowie Asthma-Episoden im Kindesalter.

Die Ergebnisse belegten: Mit zunehmender Antibiotika-Belastung verschlechterte sich die Lungenfunktion signifikant. Höhere ARS-Stufen waren mit niedrigeren FEV1-z-Werten im frühen Schulalter assoziiert. Zudem hatten Frühgeborene mit einer erhöhten Antibiotika-Exposition ein höheres Risiko für Asthma-Episoden im frühen Kindesalter.

Höhere Exposition, schlechtere Lungenfunktion

Kinder, die als Frühgeborene wiederholt Antibiotika ausgesetzt waren, zeigten im frühen Schulalter also eine messbar eingeschränkte Lungenfunktion. Damit scheinen häufige Antibiotika-Gaben während der frühen Entwicklungsphase langfristige Auswirkungen auf die Lungenfunktion zu haben.

Mögliche Ursachen sind Störungen des neonatalen Mikrobioms und daraus resultierende Entzündungsprozesse. Zwar lässt sich aus dieser Beobachtungsstudie keine Kausalität ableiten, dennoch unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung eines sorgfältigen Antibiotika-Managements in der Neonatologie und Geburtshilfe.