Medical Tribune
17. Jan. 2026Kompliziert oder unkompliziert?

Divertikulitis: Wann Antibiotika notwendig sind – und wann nicht

Lange galten Antibiotika als Pflichtprogramm bei Divertikulitis – doch neue Erkenntnisse räumen auf mit alten Therapieprinzipien. Ob mehr als ein Schmerzmittel zum Einsatz kommen muss, richtet sich danach, ob systemische Symptome oder ein komplizierter Verlauf zu beobachten ist.

Ausgeprägte Divertikulose des menschlichen Darms.
Juan Gärtner/stock.adobe.com

Eine Divertikulose betrifft meist Darmbereiche mit kleinerem Durchmesser, wie das linke Kolon oder das Sigmoid, in denen sich entsprechend höherer Druck aufbaut. In etwa 4 % der Fälle entwickelt sich daraus eine Entzündung in den Divertikeln. Als wichtiger Risikofaktor für das Auftreten von Divertikulitiden hat sich ein Body-Mass-Index von mehr als 30 kg/m2 erwiesen.

Typisches Zeichen für eine Divertikulitis sind Bauchschmerzen im linken unteren Quadranten. Darüber berichten etwa 70 % der Betroffenen. Dazu kommen bei einem kleineren Teil der Patienten Nausea, Erbrechen, Fieber und Tachykardie. Bei älteren Menschen sind diese Symptome oft weniger ausgeprägt. Schockzeichen weisen auf eine komplizierte Divertikulitis hin. Mehr als die Hälfte der Patienten mit einer fiebrigen Divertikulitis weist eine Leukozytose auf.

Die Diagnose lässt sich mit höchster Sensitivität und Spezifität mittels einer kontrastverstärkten Bauch- und Becken-Computertomografie stellen. Die CT-Bildgebung macht auch klar, ob es sich um eine unkomplizierte oder komplizierte Divertikulitis handelt. Der abdominelle Ultraschall kann eine Divertikulitis mit etwas weniger hoher Sensitivität und Spezifität nachweisen. Weder Koloskopie noch Kolonkontrasteinlauf sollten in der akuten Situation durchgeführt werden, weil das Risiko zu hoch ist, bei Vorliegen einer Divertikulitis eine Perforation zu verursachen.

Bei unkompliziertem Verlauf auf Antibiotika verzichten

In 85 % der Fälle verläuft eine Divertikulitis unkompliziert, das heisst, es kommt weder zu einem Abszess noch zu einer Striktur, Perforation oder Fistelbildung im Kolon. Wenn dies der Fall ist, kann man bei fehlenden systemischen Symptomen auf Antibiotika verzichten und den Patienten nur beobachten. Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, dass Antibiotika in dieser Situation keinen Vorteil bringen.

Die Betroffenen sollten aber eine Schmerztherapie erhalten und die Ernährung zumindest in den ersten ein bis zwei Tagen nach der Dia­gnose auf eine klare Flüssigdiät umstellen. Bevorzugtes Analgetikum ist Paracetamol. NSAR sollten vermieden werden, da sie das Risiko für Divertikelblutungen erhöhen könnten. Bei schweren Schmerzen können auch für drei bis fünf Tage orale Opioide verordnet werden.

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