Chronische postprandiale Bauchschmerzen: Was steckt dahinter?
Ein 62-jähriger Patient kam mit starken Bauchschmerzen nach dem Essen in die Notaufnahme. Die CT zeigte eine atrophierte Leber mit ausgeprägten Kollateralkreisläufen – die Diagnose «Leberzirrhose» schien eindeutig. Doch der fehlende Blutfluss in der Pfortader gab Anlass zum Zweifel. Diese Kasuistik aus dem Massachusetts General Hospital offenbart, wie eine übersehene Pfortaderthrombose das Bild einer Leberzirrhose vortäuschen kann – und warum es sich lohnt, auch offensichtliche Diagnosen zu hinterfragen.

Ein 62-jähriger Patient stellte sich mit starken postprandialen Schmerzen auf der Notfallstation vor (1). Er kannte diese Schmerzen bereits seit zwei Jahren, allerdings hatten sie nun an Intensität zugenommen und hörten nicht auf. Der Patient klagte weiters über Übelkeit, Erbrechen und starken Gewichtsverlust in den letzten Monaten.
Mehrere gastroenterologische Vordiagnosen
Der Mann stammte ursprünglich aus Costa Rica und war erst vor wenigen Monaten in die USA eingewandert. Noch in Costa Rica hatte man bei ihm eine Leberzirrhose diagnostiziert. Anamnestisch berichtete er von einer Hepatitis-Erkrankung in der Kindheit und einem Bauchtrauma bei einem Verkehrsunfall vor fünf Jahren.
- Bromberg GK et al. Case 6-2025: A 62-Year-Old Man with Abdominal Pain. N Engl J Med. 2025; 392(8): 807–816. doi: 10.1056/NEJMcpc2412516.