Was tun gegen rezidivierende Harnwegsinfekte?
An einer Fortbildungsveranstaltung von Medical Tribune zum Thema Blasenentzündungen* stand die Prävention von rezidivierenden Harnwegsinfekten im Mittelpunkt. Das Fazit: Viele Wege führen nach Rom, doch nicht alle sind durch Studien ausreichend belegt.

40 bis 50 Prozent aller Frauen erleben mindestens einmal im Leben einen Harnwegsinfekt, bis zu 10 Prozent leiden unter wiederkehrenden Infekten.
Rezidivierende Harnwegsinfekte (HWI) sind definiert als zwei oder mehr dokumentierte Infektionen innerhalb von sechs Monaten oder drei oder mehr pro Jahr, erklärte Prof. Dr. Gernot Bonkat von der alta uro AG in Basel, Vorsitzender des Leitliniengremiums für urologische Infektionen der European Association of Urology (EAU).
Mindestens zwei klinische Symptome wie Dysurie, Pollakisurie oder Harndrang ohne vaginalen Ausfluss sowie eine positive Urinanalyse (<103CFU/ml) müssen vorliegen. «Bei rezidivierenden Infekten sollten Sie immer eine Kultur anlegen», riet der Experte und verwies auf die höhere Resistenzrate bei diesen Infekten.
Risikofaktoren für wiederkehrende Harnwegsinfekte finden sich vor allem bei postmenopausalen Frauen: Östrogenmangel, atrophe Vaginitis, erhöhtes Restharnvolumen, Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Katheterisierung. Bei prämenopausalen Frauen spielen sexuelle Aktivität und eine positive Harnwegsinfekt-Anamnese (ab der Kindheit oder bei der Mutter) eine Rolle.
Viele Mythen über Verhaltensmassnahmen
Zu den antibiotikasparenden Strategien zur Prävention von rezidivierenden Harnwegsinfekten zählen Verhaltensmassnahmen, «antiadhäsive» Behandlungen, antiseptische Therapien, die topische Östrogen-Gabe bei postmenopausalen Frauen und die Immunomodulation. Experimentelle Strategien umfassen Phagen- und Mikrobiota-basierte Therapien.
Weiterlesen
* Update 2024: Blasenentzündungen verstehen, behandeln und vorbeugen. Basel, 11. Juli 2024. Sponsoren: OM Pharma, Labor Dr. Risch.
- Hayward G et al. d-Mannose for Prevention of Recurrent Urinary Tract Infection Among Women: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2024 Jun 1;184(6):619-628. doi: 10.1001/jamainternmed.2024.0264
- Lee BS et al. Methenamine hippurate for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Oct 17;10(10):CD003265. doi: 10.1002/14651858.CD003265
- Bakhit M et al. Use of methenamine hippurate to prevent urinary tract infections in community adult women: a systematic review and meta-analysis. Br J Gen Pract. 2021 Jun 24;71(708):e528-e537. doi: 10.3399/BJGP.2020.0833
- Harding C et al. Alternative to prophylactic antibiotics for the treatment of recurrent urinary tract infections in women: multicentre, open label, randomised, non-inferiority trial. BMJ. 2022 Mar 9;376:e068229. doi: 10.1136/bmj-2021-0068229
- Naber KG et al. Immunoactive prophylaxis of recurrent urinary tract infections: a meta-analysis. Int J Antimicrob Agents. 2009 Feb;33(2):111-9. doi: 10.1016/j.ijantimicag.2008.08.011