Medical Tribune
1. Apr. 2025Den heiligen Gral gibt es nicht

Was tun gegen rezidivierende Harnwegsinfekte?

An einer Fortbildungsveranstaltung von Medical Tribune zum Thema Blasenentzündungen* stand die Prävention von rezidivierenden Harnwegsinfekten im Mittelpunkt. Das Fazit: Viele Wege führen nach Rom, doch nicht alle sind durch Studien ausreichend belegt.

Ein Medical Tribune Webinar informierte zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten
sopradit/stock.adobe.com

40 bis 50 Prozent aller Frauen erleben mindestens einmal im Leben einen Harnwegsinfekt, bis zu 10 Prozent leiden unter wiederkehrenden Infekten.

Rezidivierende Harnwegsinfekte (HWI) sind definiert als zwei oder mehr dokumentierte Infektionen innerhalb von sechs Monaten oder drei oder mehr pro Jahr, erklärte Prof. Dr. Gernot Bonkat von der alta uro AG in Basel, Vorsitzender des Leitliniengremiums für urologische Infektionen der European Association of Urology (EAU).

Mindestens zwei klinische Symptome wie Dysurie, Pollakisurie oder Harndrang ohne vaginalen Ausfluss sowie eine positive Urinanalyse (<103CFU/ml) müssen vorliegen. «Bei rezidivierenden Infekten sollten Sie immer eine Kultur anlegen», riet der Experte und verwies auf die höhere Resistenzrate bei diesen Infekten.

Risikofaktoren für wiederkehrende Harnwegsinfekte finden sich vor allem bei postmenopausalen Frauen: Östrogenmangel, atrophe Vaginitis, erhöhtes Restharnvolumen, Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Katheterisierung. Bei prämenopausalen Frauen spielen sexuelle Aktivität und eine positive Harnwegsinfekt-Anamnese (ab der Kindheit oder bei der Mutter) eine Rolle.

Viele Mythen über Verhaltensmassnahmen

Zu den antibiotikasparenden Strategien zur Prävention von rezidivierenden Harnwegsinfekten zählen Verhaltensmassnahmen, «antiadhäsive» Behandlungen, antiseptische Therapien, die topische Östrogen-Gabe bei postmenopausalen Frauen und die Immunomodulation. Experimentelle Strategien umfassen Phagen- und Mikrobiota-basierte Therapien.

Um den Inhalt zu sehen, müssen Sie sich einloggen oder registrieren.