Medical Tribune
18. Mai 2014Screeningprogrammen

Lungenkarzinom-Screening mittel Low-Dose-CT bei Rauchern

Der Pferdefuss heisst: Überdiagnosen von lebenslang asymptomatischen Tumoren. Dieses Problem kennt man auch von anderen Screeningprogrammen zum Beispiel beim Brustkrebs oder Prostatakarzinom. Mit der Malignom-Diagnose sind für den Patienten unnötige diagnostische und therapeutische Prozeduren und eine starke psychische Belastung verbunden. Neben dem Nutzen kann ein Screening also auch Schaden anrichten.

Im Rahmen der NLST*-Studie wurde bei über 50 000 Probanden mit hohem Lungenkrebsrisiko (mindestens 30 Pack-Years) über drei Jahre jährlich entweder ein Low-Dose-CT oder eine Thorax-Röntgenaufnahme durchgeführt und danach wurden sie über zwei bis fünf Jahre nachbeobachtet.

Jeder fünfte Lungenkrebs wäre unentdeckt geblieben

In einem mathematischen Modell berechneten Dr. Edward F. Patz Jr. und Kollegen der Universität Durham bei einer Nachbeobachtungszeit von etwas mehr als sechs Jahren aus den Studiendaten die Wahrscheinlichkeit einer Überdiagnose. Bei allen im CT entdeckten Lungenkarzinomen betrug die Wahrscheinlichkeit, dass sie ohne Screening lebenslang unentdeckt geblieben wären 18,5 %. Betrachtete man nur die nicht kleinzelligen Karzinome (NSCLC) lag die Rate bei 22,5 % – bei bronchioalveolären Karzinomen sogar bei 78,9 %.

Nach den Ergebnissen der NSLT-Studie mussten 320 Probanden gescreent werden, um einen Lungenkrebstod zu verhindern. Diese Rate wurde allgemein mit Enthusiasmus zur Kenntnis genommen, so die Forscher. Doch sie warnen davor, die Risiken zu unterschätzen. Auch wenn die Untersuchung einige Limitationen wie die relativ kurze Beobachtungszeit aufweise, solle das Problem möglicher Überdiagnosen ernsthaft bedacht werden, bevor flächendeckende nationale Screeningprogramme für Raucher etabliert werden, betonen die Autoren.

*National Lung Screening Trial
Edward F Patz Jr. et al., JAMA Intern Med 2014; 174: 269-274