Hypertonie auch ohne Medikamente bekämpfen
Bisher werden Hypertonie-Patienten als Allgemeinmassnahmen vor allem Gewichtsreduktion, körperliche Bewegung, salzarme Ernährung und moderater Alkoholkonsum ans Herz gelegt. Andere nicht pharmakologische Interventionen sind aber möglicherweise ebenfalls von
Nutzen.
Drei verschiedene Kategorien von Massnahmen stellten Prof. Dr. Robert D. Brook vom University of Michigan Health System in Ann Arbor und seine Kollegen auf den Prüfstand:
1. Verhaltenstherapeutische Massnahmen wie Meditation, Yoga und Entspannungstechniken
2. Nicht invasive Prozeduren und Apparaturen
3. Körperliches Training
Die höchste Evidenz (IA) fanden die Wissenschaftler für ein dynamisches aerobes Ausdauertraining, das man allen Hypertonie-Patienten dringend empfehlen sollte. Innerhalb weniger Monate wird durch ein körperliches Training von 30 Minuten an den meisten Tagen der Woche (mindestens 150 min/Woche) eine signifikante Blutdruckreduktion erzielt.
Bluthochdruck: Ausdauer- und Krafttraining in Kombination einsetzen
Etwas schlechter ist die Studienlage für reines Krafttraining mit dynamischen Widerstandsübungen. Auch hier spricht aber vieles für eine moderate Blutdrucksenkung, sodass eine IIA-Empfehlung ausgesprochen wird. In der Praxis lassen sich beide Trainingsformen auch gut kombinieren.
Eine weitere untersuchte Methode ist das einfache und überall durchzuführende isometrische Handgrifftraining. Der blutdrucksenkende Effekte wurde bisher zwar nur in wenigen, relativ kleinen Studien belegt – die Autoren sprechen aber auch für diese Trainingsform eine IIB-Empfehlung aus.
Yoga, Mediation und Co in der Blutdruckkontrolle
Ob sich der Blutdruck auch durch die Kraft des Geistes senken lässt, ist ebenfalls Gegenstand von Untersuchungen. Am besten ist die Evidenz in diesem Bereich für die transzendentale Meditation. Die hier in Studien gezeigte leichte Blutdrucksenkung war den Autoren immerhin eine IIB-Empfehlung wert. Für alle anderen Meditationsmethoden einschliesslich "Mindfulness-Based Stress Reduction" (MBSR) reicht die Evidenz für eine Empfehlung dagegen nicht aus – die Methoden richten allerdings auch keinen Schaden an. Auch Yoga lässt sich aus Sicht der Experten aufgrund der bisherigen Studienlage nicht zur Blutdrucksenkung empfehlen.
Zur zweiten Kategorie gehörten die Akupunktur und die durch ein spezielles Gerät unterstützte Atemkontrolle. Nicht zuletzt aufgrund einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse mit negativen Ergebnissen scheint die Akupunktur keine geeignete Methode zur Blutdrucksenkung zu sein.
Mit der Atmung auch den Blutdruck kontrollieren
Etwas erfolgreicher ist die Atemkontrolle mit bewusster Verlangsamung der Atmung (6 Atemzüge in 30 sec), die durch entsprechende Feedback-Geräte unterstützt wird. Hier wird eine IIA-Empfehlung gegeben – wobei aber nicht hundertprozentig sicher ist, welchen Einfluss das Gerät hat. Direkte Vergleiche mit anderen Methoden der Atemkontrolle wie Pranayama bei Yoga fehlen genauso wie Langzeituntersuchungen.
Grundsätzlich gilt: Der Effekt der meisten alternativen Methoden ist mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks von 2-10 mmHg relativ gering. Die meisten Hypertoniker werden also trotzdem zusätzlich Medikamente brauchen. Möglicherweise lässt sich mit den empfohlenen Massnahmen aber der Medikamentenverbrauch reduzieren oder man kann verhindern, dass aus einer Prä-Hypertonie ein manifester Hypertonus wird.
Quelle: Robert D. Brook et al., Hypertension 2013; online first