Brustkrebs-Patientin hat Angst vor Denkstörung
Im klinischen Alltag sollte man bereits bei der Diagnose "Mammakarzinom" auf Zeichen für besonders hohe psychologische Stresslevel achten, betonte Professor Dr. Bernadine Cimprich, Universität von Michigan, Ann Arbor. Seit Jahren werde beobachtet, dass Brustkrebspatientinnen über kognitive Probleme klagen, die man bislang auf die Behandlung zurückführte – eventuell fälschlicherweise.
Mamma-Ca: Schon vor der Therapie kognitive Probleme?
Aktuelle prospektiv erhobene Daten zeigen nämlich, dass Patientinnen mit frühem Mammakarzinom und kognitiven Problemen während der adjuvanten Chemo- oder Strahlentherapie oftmals schon vor Therapiebeginn entsprechende Veränderungen aufweisen.
In ihrer Studie untersuchten Prof. Cimprich und ihre Kollegen mittels funktionaler MRT die Gehirnaktivität von:
• Patientinnen vor und nach adjuvanter Chemotherapie (n = 29)
• Patientinnen vor und nach adjuvanter Strahlentherapie (n = 37)
• Kontrollgruppe gesunder alters-gematchter Frauen (n = 32)
Während der fMRT mussten die Frauen kognitive Aufgaben unterschiedlicher Schweregrade lösen, als Messinstrument diente der VWMT-Test (verbal working memory task). Zusätzlich füllten die Patientinnen vor und nach der Therapie einen Fatigue-Fragebogen aus.
In den beiden Patientengruppen ergab die fMRT bei den Frauen, die unter der Behandlung unter kognitiven Problemen litten, eine reduzierte Aktivität in der zuständigen Gehirnregion. Besonders deutlich war der Unterschied bei den Chemotherapie-Patientinnen. Nach adjuvanter Therapie gab es bei den bestrahlten Patientinnen keine Unterschiede zur Kontrollgruppe mehr, während die Defizite bei Chemotherapie-Patientinnen fortbestanden.
Bei ausgeprägter Fatigue oft auch kognitive Defizite
Darüber hinaus stellten die Kollegen insbesondere bei den Chemotherapie-Patientinnen vor Therapiebeginn häufiger Fatiguesymptome fest, die sich unter der Therapie weiter verschlechterten. Bei den adjuvant bestrahlten Patientinnen stabilisierte sich der Zustand dagegen eher. Vor Therapiebeginn vorhandene neurokognitive Veränderungen waren mit einem erhöhten Risiko für eine ausgeprägte Fatiguesymptomatik assoziiert. Und ausgeprägte Fatigue ging wiederum mit einer Reduktion der kognitiven Funktionen einher.
Die Diagnose "Brustkrebs" erzeugt psychischen Stress, der eventuell kognitive Probleme auslöst, fasste Prof. Cimprich zusammen. Es sei daher wichtig, bei entsprechenden Symptomen rechtzeitig zu intervenieren, z.B. eine psychoonkologische Begleitung anzubieten. Patientinnen sollten informiert werden, dass mögliche kognitive Einschränkungen nicht zwingend Folge einer Chemotherapie sind. Ängste vor kognitiven Problemen sollten keinesfalls ein Anlass sein, auf eine indizierte adjuvante Chemotherapie zu verzichten.
Quelle: 35th Annual San Antonio Breast Cancer Symposium, San Antonio, 2013