Medical Tribune

Schwangerschaft nach BRCA-positivem Brustkrebs: Ermutigende Daten

Rund 20 Prozent der Überlebenden mit BRCA+-Brustkrebs werden innerhalb von zehn Jahren nach ihrer Diagnose schwanger. Das zeigt eine aktuelle internationale Studie. Im Zuge der Untersuchung bei 4.732 Frauen fanden die Forscher keinerlei Hinweise auf erhöhte Risiken für Mutter und Kind.

Eine internationale Studie fand keine Hinweise, die auf eine erhöhte Komplikationsrate bei Schwangerschaften von Überlebenden von BRCA-positivem Brustkrebs schliessen lassen.
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Eine internationale Studie fand keine Hinweise auf vermehrte Komplikationen bei Schwangerschaften von Überlebenden von BRCA-positivem Brustkrebs.

Frauen, die mit einem BRCA-positiven Brustkrebs diagnostiziert werden, sind oft noch jung. Viele sind daher während ihrer Behandlung noch mitten in der Familienplanung. Dabei spielen mehrere Faktoren in ihre Überlegungen hinein.

Beim BRCA-positiven Brustkrebs fehlten bislang Daten

Beim Brustkrebs gibt es generelle Bedenken, ob die hormonellen Veränderungen einer Schwangerschaft das Rezidivrisiko für den Krebs erhöhen. Ausserdem haben die Therapien infolge der Krebserkrankung möglicherweise negative Auswirkungen auf das Ungeborene.

Viele Frauen mit einem BRCA-positiven Brustkrebs haben darüber hinaus Angst, die eigene pathogene Varianten des BRCA-Gens auf ihre Nachkommen zu übertragen. Zudem zeigten kürzlich Forschungsarbeiten, dass das Vorliegen einer BRCA-Mutation Auswirkungen auf die Eizellreserve haben könnte. Für viele Frauen drängt die Zeit ausserdem umso mehr, als dass bei einem BRCA-positiven Brustkrebs eine beidseitige Eierstock- und Eileiterentfernung (Salpingo-Oophorektomie) zur Reduktion des Ovarialkarzinomrisikos empfohlen wird.

Wie wirkt sich die Behandlung eines BRCA+ Brustkrebs auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft aus?

Während es für andere Brustkrebsarten schon einige Daten dazu gibt, wie sich eine Brustkrebsbehandlung auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaften auswirkt, fehlten diese für Trägerinnen von BRCA-Mutationen bislang.

Die nun vorliegende internationale retrospektive Kohortenstudie schloss 4.732 Frauen ein, die bis zu einem Alter von 40 Jahren (Durchschnittsalter 35 Jahre) eine Diagnose mit einem BRCA-positiven invasiven Brustkrebs erhielten. Die insgesamt 78 teilnehmenden Spitäler stellten für die Analyse der Schwangerschaften und krebsbezogenen Ereignisse die Gesundheitsakten der Frauen zur Verfügung.

22 Prozent werden innerhalb von 10 Jahren schwanger

Innerhalb einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,8 Jahren wurden 659 der Frauen nach ihrer Brustkrebsdiagnose zumindest einmal schwanger (kumulative Inzidenz innerhalb von 10 Jahren 22%). Das ist mehr, als in anderen Studien bei Brustkrebsüberlebenden beobachtet wurde. Laut den Autoren liegt das möglicherweise am jungen Alter der BRCA-Brustkrebspatientinnen zum Diagnosezeitpunkt, sowie einer erhöhten Priorität der Familienplanung aufgrund der Empfehlung zur Salpingo-Oophorektomie.

Ein Grossteil der untersuchten Patientinnen (79,2 %) wurde spontan schwanger, obwohl mehr als 90 Prozent der Teilnehmerinnen zuvor eine Chemotherapie erhalten hatten. Die meisten Schwangerschaften (80%) fanden dabei mehr als zwei Jahre nach der Diagnose statt.

Schwangerschaftskomplikationen vergleichbar mit Frauen ohne Brustkrebsvorgeschichte

Die Forscher beobachteten in dem Kollektiv eine vergleichbare Rate von Schwangerschaftskomplikationen wie bei Frauen ähnlichen Alters ohne Brustkrebsvorgeschichte. Abtreibungen fanden bei 6,9 Prozent, und Fehlgeburten bei 9,7 Prozent der Patientinnen statt.

Von den 517 Patientinnen, die ihre Schwangerschaften austrugen, gebaren 91 Prozent nach der 37. Schwangerschaftswoche. 10,4 Prozent brachten Zwillinge zur Welt. Kongenitale Anomalien wurden bei 4 von 470 Kindern (0,9 %) dokumentiert.

Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs warteten länger

Frauen mit einem hormonrezeptorpositiven Brustkrebs wurden etwas seltener (kumulative 10-Jahres-Inzidenz 18 versus 26%; p<0,01) und später (mittlere Dauer 4,3 vs. 3,2 Jahre) schwanger als jene mit hormonrezeptornegativen Tumoren.

Diese Ergebnisse ergaben sich laut den Autoren vermutlich aufgrund einer vorhergehenden endokrinen Therapie, bei der eine Schwangerschaft kontraindiziert ist. Kürzlich lieferte jedoch die POSITIVE-Studie beruhigende frühe Ergebnisse für eine vorübergehende Unterbrechung der endokrinen Therapie für einen Schwangerschaftsversuch. Der Anteil der Frauen, die eine Schwangerschaft probieren, könnte daher auch bei den Hormonrezeptorpositiven steigen.

Schwangerschaft kein Nachteil für das (krebsspezifische und Gesamt-)Überleben

Während der Nachbeobachtungszeit unterzogen sich 2.443 Patientinnen (51,6 %) einer Salpingo-Oophorektomie, 279 (42,3 %) derjenigen mit einer Schwangerschaft nach Brustkrebs und 2164 (53,1 %) derjenigen ohne Schwangerschaft.

Frauen, die schwanger wurden, hatten dabei gegenüber Patientinnen ohne Schwangerschaft keinerlei Nachteile in Bezug auf das krankheitsfreie Überleben (bereinigte HR: 0,99; 95%-KI: 0,81-1,20; p = 0,9). Das Eintreten einer Schwangerschaft war mit einer geringeren Ereignisrate beim Gesamtüberleben (bereinigte HR: 0,58; 95%-KI: 0,40-0,85; p = 0,005), sowie beim brustkrebsspezifischen Überleben (bereinigte HR: 0,60; 95%-KI: 0,40-0,88; p = 0,009) verbunden.

Frauen mit BRCA-Mutationen trotzdem in Bezug auf fruchtbarkeitserhaltende Strategien beraten

Zwar bot die vorliegende Studie keinerlei Hinweise auf eine eingeschränkte Fruchtbarkeit des Studienkollektiv. Dennoch sprechen sich die Autoren dafür aus, alle jungen Frauen, bei denen während der reproduktiven Jahre Krebs diagnostiziert wird, hinsichtlich den Strategien zur Erhaltung der Fruchtbarkeit vor der Einleitung systemischer Krebstherapien zu beraten.

Dies sei insbesondere für junge BRCA-Trägerinnen von Bedeutung, da sie möglicherweise an einer genetischen Präimplantationsdiagnostik interessiert sind, und ihr Risiko einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz im Vergleich zu gleichaltrigen Nicht-Trägerinnen erhöht ist.