Medical Tribune
26. Juli 2024Grosse Studie aus drei Ländern unterstützt Sicherheit der Schwangeren-Impfung

Covid-19: Keine erhöhte Gefahr für Geburtsdefekte nach Impfung oder Infektion im ersten Trimester

Eine skandinavische Studie bringt beruhigende Nachrichten für Schwangere: Weder eine Infektion mit Covid-19 noch eine Impfung im ersten Trimester der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für schwere Geburtsfehler.

Auch bei einer sehr frühen Impfung oder Infektion mit Covid-19 im ersten Schwangerschaftstrimester besteht laut der neuen Studie keine erhöhte Gefahr für Geburtsdefekte.
Girts/stock.adobe.com

Die im Journal BMJ veröffentlichte Studie (1) nutzte umfangreiche Daten aus nationalen Gesundheitsregistern in Schweden, Dänemark und Norwegen.

Sie zeigt, dass weder eine SARS-CoV-2-Infektion noch eine Covid-19-Impfung im ersten Schwangerschaftstrimester das Risiko für angeborene Anomalien erhöht. Diese Ergebnisse sollten laut den Forschern Bedenken von Schwangeren hinsichtlich der Sicherheit der Impfung ausräumen und das Vertrauen in die Impfkampagnen stärken.

Erhöhtes Risiko für Komplikationen bei Covid-19-Infektionen in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen, die an Covid-19 erkranken, haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen wie Frühgeburten und Totgeburten. Deshalb wird Frauen in vielen Ländern eine Covid-19-Impfung ab dem zweiten Trimester empfohlen.

Ob eine Impfung ioder eine Infektion mit Covid-19 im ersten Trimester das Risiko für angeborene Anomalien erhöht, war bisher unklar. Die aktuelle Studie schliesst diese Wissenslücke.

Daten von über 340.000 Neugeborenen analysiert

Die Forscher analysierten die Daten von 343.066 lebend geborenen Einlingen (geschätzter Schwangerschaftsbeginn: 1. März 2020 bis 14. Februar 2022). Die Auswertung umfasste Informationen über laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektionen und -Impfungen während des ersten Trimesters. Zusätzlich berücksichtigten die Autoren noch weitere mütterliche Faktoren wie Alter, Bildungsniveau, Herkunftsland, BMI, chronische Erkrankungen und Rauchen während der Schwangerschaft.

Die wichtigsten angeborenen Anomalien wurden nach den Definitionen des Europäischen Netzwerks von Fehlbildungsregistern (EUROCAT) eingeteilt. Sie umfassten

  • Defekte des Herzens,
  • Defekte des Nerven- und Atmungssystems,
  • Defekte der Augen,
  • Defekte der Ohren,
  • Defekte des Gesichts und des Halses,
  • orofaziale Spalten sowie
  • Anomalien der Genitalien und Gliedmassen.

Keine Assoziation einer frühen Impfung mit Geburtsfehlern

Von den untersuchten 343.066 Säuglingen waren 10.229 (3%) während des ersten Trimesters einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion und 29.135 (19%) einer Impfung ausgesetzt gewesen. Insgesamt erhielten 17.704 (5,2%) Säuglinge die Diagnose einer schweren angeborenen Anomalie. Die Forscher fanden jedoch keine erhöhte Gefahr für diese Geburtsdefekte bei einer Infektion oder Impfung im ersten Trimester.

Die Ergebnisse zeigen somit keine nennenswerte Erhöhung des Risikos für angeborene Anomalien in zehn von elf untersuchten Anomaliegruppen bei geimpften Frauen.

Obwohl es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und daher keine eindeutigen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung gezogen werden können, erhöht die Qualität der Daten, die Durchführung in mehreren Ländern und die Konsistenz der Ergebnisse das Vertrauen in diese Erkenntnisse, so die Autoren.

Daten unterschützen Schwangeren-Impfung gegen Covid-19

Die Studie liefert damit wichtige Belege für die Sicherheit von Covid-19-Impfungen während des ersten Schwangerschaftstrimesters. «Insgesamt unterstützen unsere Ergebnisse die aktuellen Empfehlungen zur Impfung von Schwangeren gegen Covid-19», schreiben die Autoren.

Zudem zeigt die Studie, dass Covid-19-Infektionen in der Frühschwangerschaft bei den zirkulierenden Virusvarianten zumindest bis zum Februar 2022 nicht vermehrt zu Geburtsfehlern führten.