Home / Medizin / Rheumatologie / Sport bei rheumatischen Erkrankungen: Weniger Schmerzen, mehr Kraft

Deutscher Rheumatologiekongress

Sport bei rheumatischen Erkrankungen: Weniger Schmerzen, mehr Kraft

Walking related images:

Bei rheumatischen Erkrankungen rät man generell zu Sport und Bewegung. Zu Recht, denn Patienten mit rheumatoider Arthritis, ankylosierender Spondylitis und Lupus erythematodes können von körperlicher Aktivität tatsächlich einiges an Besserung erwarten.

Grundlagenforschung und klinische Studien haben immer wieder gezeigt, dass körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf rheumatische Erkrankungen hat. Dabei werden nicht nur Schmerzen reduziert. Sport bremst auch den Kraftverlust und wirkt Funktionsverlusten entgegen, berichtet Professor Dr. ­Wolfgang ­Hartung, Klinik und Poliklinik für Rheumatologie/Klinische Immunologie am ­Asklepios Fachkrankenhaus Bad Abbach am deutschen Rheumatologiekongress (1).

Gute Argumente, um RA-Patienten zu mehr Bewegung zu motivieren

Gut untersucht ist dies bei der rheumatoiden Arthritis (RA, siehe Kasten). So verbesserte ein sechsmonatiges, überwachtes Kraft- und Ausdauertraining bei RA-Patienten HAQ und ­DAS-28 im Vergleich zur Kontrollgruppe, wobei allerdings die Signifikanz knapp verfehlt wurde. Signifikante Unterschiede zeigten sich in dieser Studie aber bei drei weiteren Parametern: Der Gesundheitszustand der Sportgruppe war insgesamt besser, die Patienten berichteten über weniger Schmerzen und sie verfügten über mehr Kraft in den Beinen.

In einer anderen Studie an 40 RA-Patienten besserte sportliche Betätigung auch den ­DAS-28. Er sank bei denjenigen, die über sechs Monate hinweg ein überwachtes Ausdauer- und Krafttraining absolvierten, von durchschnittlich 3,6 auf 2,7. In der inaktiven Kontrollgruppe blieb der Wert unverändert. In beiden Gruppen stieg das CRP nicht an, ein Hinweis darauf, dass Sport die systemische Entzündung nicht verstärkt. Als Nebeneffekt sank der Blutdruck in der aktiven Gruppe, die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) stieg.

Regelmässige körperliche Aktivität hat also positive Effekte auf die Erkrankung, und verschlechtert den Verlauf der RA nicht, fasst Prof. ­Hartung zusammen. Eine Zunahme der Gelenkdestruktionen ist auch anderen Untersuchungen zufolge nicht zu erwarten. Ärzte haben also gute Argumente, um RA-Patienten zu mehr Bewegung zu motivieren.

Dieses Training hilft bei Rheuma

Auf diese vier Trainingsbereiche kommt es an:

  • Herz-Kreislauf-System fit machen
    Erforderlich sind drei bis fünf Trainingseinheiten/Woche mit 60–80 % der maximalen Herzfrequenz. Die Einheiten sollten 30–60 Minuten umfassen. Ideal sind Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, Walking.
  • Kraft und Muskelmasse steigern.
    Zwei- bis dreimaliges Krafttraining pro Woche reicht aus, jeweils zwei bis drei Sätze mit acht bis zehn Wiederholungen. Dies kann mit freien Gewichten oder per Widerstandstraining an Geräten oder Bändern geschehen. Einsteiger sollten sich vom Physiotherapeuten anleiten lassen.
  • Gelenke und Bänder mobili­sieren und dehnen
    Stretching, ­Tai-Chi, ­Yoga oder Pilates zweimal die Woche sind ideal, jeweils über 10–15 Minuten.
  • Balance und Gleichgewicht trainieren
    Dies geschieht am besten täglich, etwa mittels Einbandstand oder Stabilisierungsball.

Auch die Wirksamkeit von Sport bei ankylosierender Spondylitis und Lupus ist gut belegt

Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS) muss man meist weniger antreiben. Sie merken schnell, dass Bewegung ihrem Rücken guttut, erklärt Prof. ­Hartung. Die positiven Effekte werden durch die Ergebnisse zahlreicher Studien bestätigt. Über zehn Wochen hinweg fünfmal pro Woche 30 Minuten Heimtraining besserte bei AS-Patienten ­BASDAI, ­BASFI und ­BASMI sowie Depression und Fatigue signifikant. In einer anderen Studie reduzierte körperliches Training den Medikamentenbedarf. So liess sich die erforderliche Dosis an ­Etanercept senken, ­und NSAR konnte zum Teil komplett abgesetzt werden.
Auch Kollagenosen sind empfänglich für Bewegung.

Dreimal die Woche 40 Minuten aerobes Training mit bis zu 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz besserte auch bei Lupuspatienten Vitalität, körperliche Funktionen und ­VO2max. Beim Schmerz zeigte sich kein Unterschied zur Kontrollgruppe – ein Hinweis darauf, dass es durch körperliche Aktivität auch nicht zu Flare-Reaktionen kommt.

Eine Metaanalyse von drei Arbeiten zum Thema Lupus erythematodes und Sport bestätigt die Ergebnisse. Demnach steigt durch Sport die aerobe Kapazität, zugleich nehmen Fatigue und Depression ab, ­Flares treten nicht auf.

Schon fünfmal pro Woche Spazierengehen hilft

Welche Bewegung und wie viel davon empfehlenswert ist, hängt vom Patienten ab, betont Prof. ­Hartung. Es kommt auf dessen Vorlieben an und darauf, welche Sportarten er früher bereits ausgeübt hat. Am besten ist es, Ausdauerübungen und Kraftsport zu kombinieren. Schon fünfmal pro Woche eine halbe Stunde flottes Spazierengehen kombiniert mit drei wöchentlichen Einheiten Krafttraining bringt Erfolge. Dabei gilt: Je älter der Patient ist, desto wichtiger wird es, die Muskeln zu trainieren. Denn die körperliche Kraft kann im Alltag entscheidend sein, z.B. um Treppen steigen zu können oder von einem Stuhl aufzustehen.

Referenz
  1. Deutscher Rheumatologiekongress, 15.-18. September 2021, virtuell
LOGIN