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Chronotherapie

Checkpoint-Inhibitoren tagsüber besser wirksam als abends

Menschliches Gehirn als Uhr umgeben von Sternen und Wolken

Eine neue Studie zeigt, dass Checkpoint-Inhibitoren besser wirksam sein könnten, wenn sie vor 16:30 gegeben werden. Damit könnte die klinische Praxis bei Immuntherapien ohne weitgehende Zusatzkosten verbessert werden.

Einerseits hat die Einführung von Checkpoint-Inhibitoren in der Therapie des fortgeschrittenen malignen Melanoms für einen Durchbruch gesorgt. Doch auf der anderen Seite profitieren mehr als 40 Prozent der Betroffenen nicht von dieser Behandlung. Das wirft die Frage auf, ob bei den Non-Respondern noch Verbesserungsbedarf besteht.

Zytotoxische T-Zellen haben ihren eigenen Rhythmus

Die Immuntherapie steigert die Aktivität von CD8+ T-Zellen. Präklinische und klinische Studien weisen darauf hin, dass diese Zellen einem intrinsischen zirkadianen Rhythmus unterliegen und tagsüber beispielsweise besser auf Impfungen ansprechen. US-amerikanische Forscher untersuchten nun, ob der zirkadiane Rhythmus einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Checkpoint-Inhibitoren haben könnte (1).

In der monozentrischen, retrospektiven Längsschnittstudie MEMOIR werteten sie die Daten von 299 Erwachsenen mit einem maligen Melanom im Stadium IV aus, die zwischen dem 1.1.2012 und 31.12.2020 mindestens vier Infusionen mit Ipilimumab, Nivolumab oder Pembrolizumab (allein oder in Kombination) erhalten hatten. Danach unterteilten sie die Teilnehmer nach den Tageszeiten, zu denen sie die Immuntherapie erhalten hatten.

Basierend auf mehreren Impfstudien mit Gesunden wählte die Arbeitsgruppe 16:30 Uhr als Cut-off-Wert für die Unterteilung in eine Behandlung am Tag beziehungsweise am Abend. S

Häufige abendliche Immuntherapien könnten weniger wirksam sein

Nach statistischer Bereinigung für mehrere Einflussgrössen wie Alter oder Allgemeinzustand hatten 73 Teilnehmende, die mindes­tens 20 Prozent ihrer Infusionen nach 16:30 Uhr erhielten, ein signifikant kürzeres Gesamtüberleben als 73 Personen, bei denen dies nicht zutraf. Das mediane Gesamtüberleben lag in der Gruppe mit späteren Infusionen bei 4,8 Jahren, in der anderen Gruppe war es zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht erreicht (HR 2,04; p = 0,038). Der signifikante Unterschied blieb nach Adjustierung im Cox-Regressionsmodell bestehen (HR 2,16; p = 0,025).

Die Arbeitsgruppe hält zwar prospektive Studien zur Bestätigung ihrer Daten für notwendig, empfiehlt jedoch bereits basierend auf den vorgestellten Ergebnissen, die Immuntherapie-Infusionen bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom im Rahmen des multidisziplinären Managements bis spätestens am Nachmittag einzuplanen.

Deutliche Verbesserung ohne Zusatzkosten

In einem Kommentar schreibt Prof. Dr. Francis Lévi, Université Paris-Saclay, Villejuif, dass die nun vorgestellten Ergebnisse die klinische Praxis in der Immuntherapie verändern könnten. Und das, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

Referenzen

  1. Qian DC et al. Effect of immunotherapy time-of-day infusion on overall survival among patients with advanced melanoma in the USA (MEMOIR): a propensity score-matched analysis of a single-centre, longitudinal study. Lancet Oncol. 2021 Dec;22(12):1777-1786. doi: 10.1016/S1470-2045(21)00546-5. 
  2. Lévi F. Daytime versus evening infusions of immune checkpoint inhibitors. Lancet Oncol. 2021 Dec;22(12):1648-1650. doi: 10.1016/S1470-2045(21)00607-0.
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