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Fast so gefährlich wie Rauchen

Lungenfibrose bei Diabetespatienten weit verbreitet

Als systemische Erkrankung kann sich ein Diabetes auf nahezu alle Organe auswirken. Zunehmend rückt das respiratorische System ins Visier der diabetologischen Forschung.

Gibt es bald auch Therapien gegen pulmonale Schäden?

In epidemiologischen Untersuchungen ist schon früher aufgefallen, dass Menschen mit Diabetes besonders häufig eine eingeschränkte Lungenfunktion mit verminderter Einsekundenkapazität (forciertes expiratorisches Volumen, FEV1), Vital- und Diffusionskapazität aufweisen, erklärte Dr. Stefan Kopfvon der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Heidelberg. Bereits bei der Erstdiagose eines Typ-2-Diabetes haben etwa 20 % eine eingeschränkte Lungenfunktion.

Schon 2003 hatte man in einer Untersuchung gezeigt, dass ein Diabetes neben dem Rauchen der wichtigste Risikofaktor für eine idiopathische pulmonale Fibrose (IPF) ist – darin wies jeder vierte Patient mit IPF einen Diabetes auf. «Diese Zusammenhänge werden viel zu selten erkannt, die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch höher», beklagte der Diabetologe. Nach einem langjährigen Typ-2-Diabetes entwickelten etwa 27 % der Betroffenen Schäden an der Lunge mit zunehmender Dyspnoe und eingeschränkter Belastbarkeit – bei Typ-1-Diabetes seien es etwa 20 %. Von einer IPF seien Männer etwas häufiger betroffen als Frauen – das gelte im Trend auch bei der diabetesassoziierten pulmonalen Fibrose.

Klinisches Zeichen: Dyspnoe bei Belastung

Ausgangspunkt für die Lungenfibrose scheint die bei Diabetes vermehrte DNA-Schädigung durch verstärkten oxidativen Stress zu sein, die auf ein vorzeitig gealtertes Immunsystem (Seneszenz) mit eingeschränkten Reparaturmechanismen trifft. In Tierversuchen an Mäusen wurde gezeigt, dass Fibrosebildungen in Nieren, Lunge und Leber mit DNA-Schäden assoziiert sind. «Das passt zu unseren Humandaten», erklärte Dr. Kopf mit Blick auf noch unveröffentlichte Daten seiner Klinik.

In einer Untersuchung konnten er und sein Team unter anderem nachweisen, dass vermehrte DNA-Schäden unabhängig von der Blutglukose mit der Progression von Albuminurie, restriktiven Lungenerkrankungen und Lebersteifigkeiten assoziiert sind. Letztlich entsprechen alle typischen Alterserkrankungen auch diabetesassoziierten Komplikationen. Das Hauptproblem des Diabetes scheint somit ein vorzeitiges, schnelleres Altern zu sein.

Daraus könnten sich in Zukunft neue therapeutische Ansätze entwickeln. Dr. Kopf nannte dabei phosphorylierten RAGE (Rezeptor für AGE-Proteine), der eine Schüsselrolle bei der DNA-Reparatur spielt. Die Gabe dieses Rezeptors konnte im Mausversuch bei diabetischen Lungenschäden einen Rückgang der Fibrose mit Besserung der Lungenfunkton zeigen. Ähnlich positive Wirkungen liessen sich für die diabetische Nephropathie nachweisen.

In jedem Fall sollte man bei Patienten mit Diabetes an mögliche Lungenschäden als Spätkomplikation denken. Klinisch macht sich dies in der Regel als Dyspnoe bei Belastung bemerkbar. Für die Diagnostik empfahl Dr. Kopf eine Lungenfunktionsprüfung und eine hochauflösende Computertomografie als Goldstandard.

55. Kongress Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG); Online-Veranstaltung

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