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Auf Reisen und Sport müssen Frauen vor der Geburt nicht verzichten

Das können Sie Schwangeren raten

Die meisten Schwangeren können problemlos reisen und Sport treiben – wenn sie medizinisch abgeklärt sind und Vorsichtsmassnahmen berücksichtigen. Welche, das erläuterte Dr. Tina Fischer, Leitende Ärztin an der Frauenklinik des Kantonsspitals St. Gallen, am Kongress für praktische Gynäkologie und Geburtshilfe (KPGG).

Generell gilt: Schwangere sollten Reisezeit und -ziel klug wählen. Im ersten Trimenon leiden viele Frauen an Übelkeit und Erbrechen. Auch im dritten Trimenon fühlen sich viele unwohl und die Schwangerschaftsbeschwerden nehmen zu. «Für die meisten Schwangeren ist deshalb das zweite Trimenon die beste Reisezeit», sagte Dr. Fischer. Allerdings gelten bei einigen Schifffahrts- und Fluggesellschaften Beförderungseinschränkungen für Frauen in einer fortgeschrittenen Schwangerschaft. Sie verlangen mitunter ein ärztliches Attest, das nicht älter als zwei Wochen sein darf.

Stützstrümpfe ab vier Stunden Flugzeit

«Insgesamt sind Aufenthalte in der Nähe zu bevorzugen», erläuterte die Expertin. «Vermieden werden sollten Destinationen mit grosser Hitze oder Aufenthalte in Höhen über 2500 Metern, da dann kardiovaskuläre und respiratorische Beschwerden zunehmen.» Abzuraten ist von Reisen in Risikogebiete für Malaria oder für Infektionen mit dem Zika-Virus oder Parasiten.

Ungünstig sind lange Auto- und Flugreisen. «Pro Tag sollten sie nicht mehr als sechs Stunden reisen und alle zwei Stunden eine Fahrpause machen», so die Referentin. Auf Töfffahrten sollten Schwangere wegen der Unfallgefahr verzichten. Vorteilhaft sind indes Zugreisen, weil sie die Möglichkeit bieten, während der Fahrt immer wieder mal aufzustehen und etwas zu gehen. «Fliegen ist in der Regel jederzeit möglich», erläuterte die Referentin. Die Strahlung stellt bei einer einmaligen Flugreise kein Sicherheitsrisiko dar. Der Innendruck ist in der Kabine vergleichbar mit einem Höhenaufenthalt auf 1500 bis 2500 Metern und der Sauerstoffpartialdruck ist um 20 % reduziert. «Das führt zu einem vorübergehenden Anstieg der Herzfrequenz, dem Atemminutenvolumen und Blutdruck, was aber bei einer gesunden Schwangeren mit einer ungestörten Plazentafunktion kein Problem darstellt», erläuterte Dr. Fischer.

Das Thromboserisiko ist beim Fliegen etwas erhöht. Ab vier Stunden Flugzeit sollten deshalb Schwangere während der Reise und auch einige Tage danach Kompressionsstrümpfe tragen. Bei einem erhöhten Risiko für thromboembolische Ereignisse ist zudem eine Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin indiziert. «Nicht fliegen sollten Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen sowie Schwangere mit einer schweren Anämie oder einer schweren Hypertonie», betonte Dr. Fischer.

Sport beugt auch einer Depression vor

Nichts einzuwenden ist in der Regel auch gegen Sport. «Regelmäs­sige Bewegung hat viele positive Eigenschaften: Sie erhält die Fitness aufrecht, wirkt einer übermässigen Gewichtszunahme entgegen und beugt Rückenproblemen, Stimmungsschwankungen und auch postpartalen Depressionen vor», so die Referentin. Grosse Fachgesellschaften empfehlen deshalb, in der Schwangerschaft regelmässig Sport zu treiben. «Voraussetzung ist aber ein unauffälliger Schwangerschaftsverlauf», betonte Dr. Fischer. Auch muss das Ausmass der Schwangerschaft angepasst sein. In Ordnung sind 150 Minuten Training, verteilt auf mindestens drei Tage in der Woche in mässiger Intensität. Auf Sportarten, die mit einer erhöhten Verletzungsgefahr einhergehen, sollten Schwangere dabei verzichten.

Geeignet sind Krafttraining, Joggen, Schwimmen, Velofahren, Yoga, Pilates und Beckenbodentraining. «Absolute Kontraindikationen für Sport in der Schwangerschaft sind hämodynamisch signifikante Herz- und restriktive Lungenerkrankungen, Frühgeburtsbestrebungen, vaginale Blutungen im zweiten und dritten Trimenon, eine Plazenta praevia nach der 26. SSW sowie eine schwere Anämie», führte die Expertin weiter aus.

Claudia Benetti

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