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Von wegen Alleskönner

Vitamin D erfüllt die hohen Erwartungen nicht

Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Dia­betes bis hin zum Krebs: Vitamin D wird häufig als Allheilmittel gehandelt. Bei genauer Betrachtung ergibt sich jedoch ein eher ernüchterndes Bild.

Für die Knochengesundheit ist Vit­amin D zweifellos unabdingbar. Bei einem Mangel drohen Kindern Rachitis und im Erwachsenenalter die Osteomalazie, so Dr. Carmina­
Teresa Fuss und Professor Dr. Martin Fassnacht von der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Würzburg. 25-OH-Vitamin-D-Werte unter 12 ng/ml, beispielsweise in Folge zu geringer Sonnenlichtexposition, erfordern eine Behandlung, Spiegel über
20 ng/ml gelten dagegen prinzipiell als ausreichend für die Knochengesundheit der erwachsenen Normalbevölkerung. Allerdings sollten angesichts fehleranfälliger Labor­methoden insbesondere grenzwertige Messergebnisse mit Vorsicht und nur im klinischen Kontext bzw. im Zusammenhang mit weiteren Laborparametern (z.B. Kalzium, Phosphat, Parathormon) interpretiert werden.

Kein Schutz vor Herz-Kreislauf-Ereignissen

Grosse Aufmerksamkeit erlangte Vit­amin D, nachdem sein nukleärer Rezeptor auf zahlreichen Geweben nachgewiesen wurde und In-vitro-Untersuchungen Auswirkungen auf die Zellfunktion nahelegten. Eine Reihe von Assoziationsstudien sah in der Folge einen möglichen Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und dem Sturz- und Frakturrisiko, kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus und sogar Krebsleiden. Einige aktuelle randomisierte und kontrollierte Interventionsstudien bestätigen diese Beobachtungen jedoch nicht:

  • Sowohl die ViDa-Studie an mehr als 5000 knochengesunden Probanden als auch eine grosse Metaanalyse sehen keinen Nutzen einer Vitamin-D-Substitution im Hinblick auf die Sturz- bzw. die Frakturhäufigkeit.
  • In der VITAL-Studie mit mehr als 25 000 knochengesunden Teilnehmern schützte die Gabe von 2000 IE/Tag über im Median 5,3 Jahre nicht vor Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Myokard­infarkten oder Schlaganfällen. Eine Metaanalyse fand ferner keine Auswirkungen auf den Blutdruck.
  • Im VITAL-Kollektiv bewahrte Vit­amin D nicht vor Krebserkrankungen. Einige kleinere Interventionsstudien fanden ferner keinen wesentlichen günstigen Einfluss auf die Überlebensprognose von Patienten mit gastrointestinalen Malignomen.
  • Eine aktuelle Untersuchung an rund 2400 Personen mit hohem Diabetes-Risiko schloss einen diesbezüglich protektiven Effekt der Substitution a

Der anhaltende Hype ist unbegründet

Der anhaltende Hype um Vitamin D als «Wunderwaffe» gegen verschiedene Volkskrankheiten ist aus wissenschaftlicher Sicht zum jetzigen Zeitpunkt unbegründet, meinen die Experten. Sie warnen insbesondere davor, bei Krebs-Patienten zu grosse Hoffnungen zu wecken. Zudem könne Vitamin D nicht (mehr) uneingeschränkt allen älteren Erwachsenen zur Frakturprophylaxe empfohlen werden. Bei bekannter Osteoporose sei es dagegen nach wie vor fester Bestandteil der Basistherapie.

Fuss CT, Fassnacht M. Dtsch Med Wochenschr 2020; 145: 135–139.

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