Medical Tribune
2. Jan. 2024Schreib mal darüber!

Schreibtherapie lindert Traumasymptome

Bei einer Schreibtherapie sollen Trauma­patienten ihre Erfahrungen und Gefühle zu Papier bringen. Es scheint, dass dies ihrer Psyche schneller und nachhaltiger hilft als andere Verfahren.

Hand mit Kugelschreiber schreibt in ein Notizbuch
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Patienten wünschen sich oft eine kurze Behandlung – dieses Kriterium erfüllt die Schreib­therapie.

Die posttraumatische Belas­tungs­störung (PTBS) ist eine verbreitete psychische Erkrankung. Besonders häufig tritt sie bei Kriegsveteranen auf.

Es gibt verschiedene evidenzbasierte Verfahren zur Behandlung, wie zum Beispiel die Prolonged Exposure Therapy (PE) und die Cognitive Processing Therapy (CPT). Diese Therapien bestehen aus acht bis 15 Einzelsitzungen, die jeweils 60 bis 90 Minuten dauern. Zwischen den Sitzungen müssen die Patienten Hausaufgaben erledigen. Viele PTBS-Betroffene scheuen jedoch diese zeitaufwändigen und kostspieligen Therapien oder brechen sie vorzeitig ab.

Ziel Verbesserung der PTBS-Symptomatik

Forscher in den USA haben untersucht, ob die Behandlung auch schneller erfolgen kann. Sie haben den Nutzen der Written Exposure Therapy (WET) oder «Schreibtherapie» untersucht, einer zeitlich begrenzten PTBS-spezifischen Behandlung. In den Sitzungen schreiben die Betroffenen über ihr erlebtes Trauma, die damals empfundenen Gefühle und die Auswirkungen des Ereignisses auf ihr Leben. Anschliessend besprechen sie ihre Aufzeichnungen mit dem Therapeuten.

In einer randomisierten Nichtunterlegenheitsstudie haben die Forscher untersucht, wie die Schreibtherapie im Vergleich zur zeitaufwändigeren PE abschneidet. Dafür wurden 178 Veteranen mit PTBS rekrutiert, von denen 88 eine WET und 90 eine PE absolvierten. Die Schreibtherapie umfasste fünf bis sieben Sitzungen von 45 bis 60 Minuten, während die PE acht bis 15 Sitzungen von 90 Minuten umfasste.

Unabhängige Evaluationen fanden in den Wochen 10, 20 und 30 nach der ersten Therapiesitzung statt. Das Hauptzielkriterium war die Veränderung der PTBS-Symptome vom Beginn der Studie bis zur Woche 20, erfasst mit der Clinician-Administered PTSD Scale for DSM-5 (CAPS-5).

Schreibtherapie erreichte gleiches Ergebnis mit halb so vielen Sitzungen

In beiden Therapiegruppen verbesserten sich die Symptome signifikant. Obwohl die Anzahl der Sitzungen erheblich unterschiedlich war, erwies sich die Schreibtherapie im Vergleich zur prolongierten Expositionstherapie als nicht unterlegen. Zusätzlich war die Adhärenz in der WET-Gruppe signifikant besser.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schreibtherapie eine gute Option für die Behandlung von PTBS-Patienten darstellt. Sie hat das Potenzial, eine grössere Anzahl von Betroffenen zu erreichen.