Medical Tribune
11. Juni 2013

Zu viel Sport bricht junge Knochen

Wenn Miniathleten sich schon mit acht Jahren auf eine Sportart spezia­lisieren, kann es für ihr Skelett üble Folgen haben, warnte Professor Dr. Neeru Jayanthi von der Loyola University Chicago Stritch School of Medicine. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hatte sein Team mehr als 1200 Sportler zwischen acht und 18 Jahren untersucht, die sich wegen sportmedizinischer Fragen vorgestellt hatten.

Insgesamt verzeichnete man 859 Verletzungen. In mehr als 550 Fällen handelte es sich um Überlastungstraumata, darunter Stressfrakturen (Rücken, Gliedmassen), ligamentäre Verletzungen am Ellenbogen sowie Knorpel- und Gelenkschäden. Sie hatten zur Folge, dass junge Sportler ein halbes Jahr oder länger auf der Bank sassen.

Freies Spielen als Ausgleich nicht vergessen!

Nähere Analysen zeigten, dass die Verletzungsgefahr besonders gross war, wenn ein Kind oder Jugendlicher sich auf eine bestimmte Sportart spezialisiert hatte und dieser extrem viele Stunden pro Woche widmete. Sehr hoch lag das Schädigungsrisiko vor allem dann, wenn der junge Athlet mehr als doppelt so viel Zeit beim Training verbrachte wie mit freien Spielen.

Studienteilnehmer, die schwere Verletzungen aufwiesen, brachten den Daten zufolge im Mittel 21 Stunden pro Woche mit körperlichen Aktivitäten zu – darunter 13 Stunden Training. Vergleichbare Zeiten bei nicht verletzten Jung­sportlern: 18 Aktivstunden, darunter neun Stunden Training.

Als weitere Merkmale der Verletzten zählte Prof. Jayanthi auf:

  • trainiert mehr als drei Viertel der Zeit in einer Sportart
  • hat zu wenig Zeit für Freunde
  • hat wegen des Leistungssports andere Sportarten aufgegeben
  • reist regelmässig grössere Strecken zu Wettkämpfen
  • trainiert mehr als acht Monate pro Jahr

Wie sollten Jugendliche trainieren?

Der Youngs­ter sollte nicht mehr Stunden pro Woche mit Training verbringen, als er Lebensjahre auf dem Buckel hat. 13 Stunden Tennis pro Woche sind demnach für einen Zwölfjährigen klar zu viel.

Die Trainingszeit sollte nicht mehr als das Doppelte von dem betragen, was das Kind oder der Teenie in unorganisiertem Sport (Kicken auf dem Bolzplatz, Radeln, Schwimmen etc.) verbringt. Ausserdem müsse man davon abraten, sich vor der späten Adoleszenz auf eine Sportart zu spezialisieren.

Pro Woche ein Feiertag für die Knochen

Auf keinen Fall zu unterstützen sei ein Training rund ums Jahr, betonte der Experte, er empfiehlt ein bis drei Monate trainingsfreie Zeit. Ausserdem sollte ein Tag pro Woche zum “Feiertag” erklärt werden, an dem die jungen Knochen sich einmal richtig ausruhen dürfen.

*American Medical Society for Sports Medicine