Medical Tribune
6. Apr. 2013Jugendliche nur noch mit starrem Blick aufs Handydisplay

Materialismus schuld an Handy-Sucht?

Nach Expertenmeinung ist die Handy-Sucht eine nicht zu unterschätzende Sucht. Die Abhängigkeit vom Internet wurde schon in mehreren Studien untersucht. Mit Mobiltelefonen hat sich hingegen bisher kaum jemand entsprechend beschäftigt. Und das, obwohl junge Erwachsene durchschnittlich 110 Textnachrichten pro Tag verschicken, 113 empfangen und ihr Handy ca. 60-mal checken.

Amerikanische Kollegen wollten nun wissen, welche Charakter
eigenschaften für die Abhängigkeit von Smartphones und Co. prädestinieren. Dazu befragten sie 191 Studenten der Wirtschaftswissenschaften an zwei Universitäten. Mittels Fragebögen sollte beispielsweise die Ausprägung eines materialistisch orientierten Verhaltens erfasst werden. Aber auch Persönlichkeitseigenschaften wie Impulsivität galt es zu beurteilen.

Handy-Sucht: Enge Assoziation zum Kreditkartenmissbrauch

Beide Eigenschaften hatten in vielen Untersuchungen eine enge Assoziation zu Kreditkartenmissbrauch, Kaufrausch und ähnlichen pathologischen Verhaltensweisen gezeigt. Das Ergebnis der Studentenbe­fragung: Es fand sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Mess­parameter "Materialismus" und der Telefon- bzw. SMS-Sucht. Auch Impulsivität schien eine Rolle zu spielen, der Zusammenhang war aber statistisch nicht eindeutig.

Die Abhängigkeit von modernen Kommunikationstechnologien sollte daher in einem breiteren Kontext von sozial abweichenden Verhaltensweisen betrachtet werden. Und die mögliche "Komorbidität" von Techniksucht und anderen Konsumauffälligkeiten verdient weitere Untersuchungen.

Quelle: James A. Roberts et al., Journal of Behavioral Addictions 2012; online first