Medical Tribune
31. Aug. 2012Mortalitätsrate verdoppelt

Griff zu Psychopharmaka: Bei Pflegeheimbewohnern gut überlegen

Mit Neuroleptika tut man alten Menschen nicht unbedingt etwas Gutes, wie schon frühere Studien zeigten. So wurde für die Therapie mit atypischen Neuroleptika eine erhöhte Schlaganfallrate und Mortalität gezeigt. Trotzdem werden diese Substanzen aus Mangel an Alternativen vielfach bei Demenz, Unruhe und Verhaltensstörungen eingesetzt.

Mortalitätsrate verdoppelt

Nun prüften US-Forscher anhand der Daten von über 75 000 Pflegeheimbewohnern, ob es Unterschiede zwischen den Su bs tanzen gibt. Im Vergleich zu Risperidon als Referenz wiesen Patienten unter Haloperidol eine doppelt so hohe Mortalitätsrate innerhalb von 180 Tagen nach Therapiebeginn auf (HR 2,07).

Quetiapin schnitt etwas besser ab ls Risperidon (HR 0,81) – ansonsten bestanden keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen atypischen Neuroleptika. Die erhöhte Sterblichkeit unter Haloperidol war unabhängig von der Indikation (z.B. Demenz oder Verhaltensstörung) und bei allen Todesursachen gleichermassen zu beobachten. Am stärksten ausgeprägt zeigte sich der Effekt in den ersten 40 Tagen nach Therapiebeginn.

Indikation immer genau überprüfen

Mit Ausnahme von Quetiapin liess sich für alle Substanzen eine deutliche Dosisabhängigkeit zeigen. Am häufigsten verstarben die Heiminsassen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch wenn sich aus dieser Studie keine klare Kausalität ableiten lässt, stimmen die Ergebnisse bedenklich. Die Autoren empfehlen, jede Neuroleptika-Indikation in dieser Altersgruppe sorgsam zu überprüfen und ggf. atypische Neuroleptika zu bevorzugen. Ohnehin werden nicht medikamentöse Massnahmen als Mittel der ersten Wahl empfohlen.

Quelle: Krista F. Huybrechts et al., BMJ 2012; online first