Alter bei der ersten Menstruation sinkt
Der Zeitpunkt der ersten Menstruation hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach vorne verschoben. Welche Bedeutung dies für die langfristige Gesundheit hat, untersuchte ein Forschungsteam aus der Schweiz in einer bevölkerungsbasierten Querschnittsstudie.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Claire Chevalier vom Universitätspital Genf analysierten dazu Daten von mehr als 6400 Frauen im Alter von 34 bis 75 Jahren. Sie hatten die zwischen 2005 und 2025 an der Bus-Santé-Studie teilgenommen. Im Fokus standen die zeitliche Entwicklung des Menarchealters sowie mögliche Zusammenhänge mit Stoffwechselerkrankungen, der reproduktiven Gesundheit und soziodemografischen Faktoren.
Die Ergebnisse bestätigen den Trend zu einer immer früheren Menarche. Frauen des Geburtsjahrgangs 1936 bekamen ihre erste Menstruation im Durchschnitt mit 14,1 Jahren, während sie bei Frauen des Jahrgangs 1989 bereits mit 12,9 Jahren einsetzte. Das durchschnittliche Menarchealter lag bei 13,1 Jahren.
Mädchen mit früher Menarche (vor dem 12. Lebensjahr) hatten gegenüber solchen mit normalem Menarchealter (12–14 Jahre) eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für Hypertonie (aOR 1,41), Diabetes (aOR 1,40) und Hypercholesterinämie (aOR 1,27). Zudem lag ihr BMI durchschnittlich um 1,20 kg/m² höher und sie waren 2,12 cm kleiner.
Auch bei der reproduktiven Gesundheit zeigten sich Unterschiede. Eine frühe Menarche verlängerte die reproduktive Lebensspanne um 1,59 Jahre und erhöhte die Wahrscheinlichkeit für eine Hysterektomie (aOR 1,69). Frauen mit später Menarche (nach dem 14. Lebensjahr) hatten hingegen einen niedrigeren BMI und eine um 3,12 Jahre kürzere reproduktive Lebensspanne. Gleichzeitig stieg bei ihnen das Risiko für Totgeburten (aOR 1,80) und Eileiterschwangerschaften (aOR 1,45).
Marker für langfristige Gesundheitsrisiken
Eine frühe Menarche war zudem mit einem niedrigeren Einkommen, eine späte mit einem geringeren Bildungsniveau assoziiert. Kausale Schlüsse lässt die Querschnittsstudie jedoch nicht zu. Für die Praxis könnte das Menarchealter dennoch ein einfach zu erfassender Marker für langfristige Gesundheitsrisiken sein. Das Autorenteam empfiehlt deshalb, es in der hausärztlichen und pädiatrischen Versorgung routinemässig zu dokumentieren und bei der individuellen Risikoeinschätzung zu berücksichtigen.
Chevalier C et al. Age at menarche association with metabolic, reproductive, and sociodemographic factors: a population-based cross-sectional analysis using an outcome-wide framework in Geneva, Switzerland. Eur J Public Health. 2026; 36(4): ckag118. doi: 10.1093/eurpub/ckag118