Medical Tribune
28. Okt. 2026Ernährung und kardiometabolische Gesundheit

Wie viel Vollkorn bringt einen messbaren Nutzen?

Wer täglich mehrere Portionen Vollkorn isst, könnte wichtige kardiometabolische Risikofaktoren günstig beeinflussen. Eine neue Metaanalyse randomisierter Studien zeigt niedrigere Werte für Körpergewicht, Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck. Grössere Effekte beobachteten die Forscher im Allgemeinen bei vier bis sechs Portionen Vollkorn pro Tag.

Vollkorn-Sandwiches mit vegetarischer Einlage.
Foto: Sarsmis/gettyimages

Bisherige Daten deuten darauf hin, dass Menschen, die viel Vollkorn essen, seltener chronische Erkrankungen entwickeln. Wie sich Vollkorn auf einzelne kardiometabolische Risikofaktoren auswirkt, zeigen randomisierte Studien bislang jedoch weniger eindeutig. Ein Forscherteam um Sina Naghshi von der Universität für medizinische Wissenschaften in Täbris im Iran untersuchte deshalb in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse, ob und in welcher Menge Vollkornprodukte diese Risikofaktoren beeinflussen (1).

Die Auswertung umfasste 87 randomisierte Studien mit insgesamt 6529 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Kleine Effekte auf mehrere Risikofaktoren

Schon bei einer Zufuhr von 30 bis 40 Gramm Vollkorn täglich zeigten sich günstige Veränderungen. Für die meisten untersuchten Werte fanden die Forscher grössere Effekte bei etwa 60 bis 100 Gramm pro Tag, jeweils bezogen auf das Trockengewicht des Vollkorns. Das entspricht ungefähr vier bis sechs Portionen täglich. Als Beispiel nennt die European Society of Cardiology eine Schale Haferflocken, ein Sandwich aus Vollkornbrot und eine Portion Naturreis über den Tag verteilt.

Mit einer höheren Vollkornzufuhr nahmen Körpergewicht und Taillenumfang ab. Auch Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyzeride, Nüchternplasmaglukose und systolischer Blutdruck sanken. Gleiches galt für Interleukin-6, einen Entzündungsmarker. Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Evidenz für die Veränderungen von Körpergewicht, Taillenumfang, Gesamtcholesterin und Interleukin-6 als hoch. Für LDL-Cholesterin, Triglyzeride, Nüchternplasmaglukose und systolischen Blutdruck stuften sie sie als moderat ein.

Die durchschnittlichen Veränderungen fielen allerdings klein aus. Pro zusätzlichen 48 Gramm Vollkorn am Tag sank das Körpergewicht um 0,20 Kilogramm und der Taillenumfang um 0,22 Zentimeter. Das Gesamtcholesterin nahm um 0,10 mmol/l ab, das LDL-Cholesterin um 0,07 mmol/l. Beim systolischen Blutdruck betrug der Rückgang 0,82 mmHg.

Die Metaanalyse liefert einen Anhaltspunkt für die Menge, bei der mehrere Risikomarker günstig reagierten. Eine optimale tägliche Zufuhr lässt sich daraus jedoch nicht sicher ableiten. Oberhalb von 140 Gramm pro Tag lagen nur wenige Studiendaten vor. Die meisten Studien liefen zudem nur kurz, die mediane Dauer betrug lediglich acht Wochen.

Verarbeitungsgrad bleibt eine offene Frage

Im begleitenden Editorial betonen Dr. Cecilie Kyrø, Danish Cancer Institute, Kopenhagen, und ihre Mitautorinnen, dass die eingeschlossenen Studien überwiegend wenig oder mässig verarbeitete Vollkornlebensmittel untersuchten, etwa Naturreis, Haferflocken und traditionelles Roggenbrot (2). Die Expertinnen halten ultrahochverarbeitete Vollkornprodukte für wahrscheinlich gesünder als ultrahochverarbeitete Produkte aus raffiniertem Getreide. Sie bieten aber vermutlich nicht dieselben gesundheitlichen Vorteile wie wenig verarbeitete Vollkornprodukte.

Für die ärztliche Praxis empfehlen die Autorinnen, raffinierte Getreideprodukte durch wenig verarbeitete Vollkornlebensmittel zu ersetzen. Dieser Austausch führt ihrer Einschätzung nach wahrscheinlich zu kleinen, aber bedeutsamen Verbesserungen bei Körpergewicht, Taillenumfang und Blutfetten. Davon könnten besonders Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren.