Aus PCOS wird PMOS
Der Terminus polyzystisches Ovarsyndrom führt in die Irre. Denn nicht die Pathologie der Eierstöcke steht bei der Erkrankung im Vordergrund, sondern die endokrine bzw. metabolische Störung. Deshalb soll man künftig vom polyendokrinen metabolischen Ovarsyndrom sprechen.

Schon seit vielen Jahren wird in Expertenkreisen dafür plädiert, das polyzystische Ovarsyndrom in polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS) umzubenennen. Damit will man die Aufmerksamkeit weg von der ovariellen und hin zur metabolischen Störung lenken.
Inzwischen ist es gelungen, einen Konsens für die Umbenennung zu erarbeiten, schreibt eine Gruppe um Prof. Dr. Helena Teede von der Monash University in Melbourne im Namen des Global Name Change Consortium. Daran beteiligt waren 56 führende akademische und klinische Organisationen sowie Patientengruppen aus aller Welt.
Auf den Begriff polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom habe man sich in einem mehrstufigen Prozess geeinigt, berichtet das Autorenteam. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll die neue Bezeichnung via Publikationen und Fortbildungen implementiert werden und 2028 in die Aktualisierung der entsprechenden Leitlinie eingehen. Insgesamt hofft man, mit dem Terminus und einer noch zu erarbeitenden aktualisierten Klassifikation zu einer verbesserten Diagnostik, Behandlung und Zufriedenheit der Patientinnen beizutragen.
Das PMOS ist eigentlich keine gynäkologische Erkrankung, erläutert Prof. Teede und ihr Team. Zwar geht das Syndrom in der Regel mit einer gestörten Follikelreifung einher. Pathologische Zysten finden sich in den Eierstöcken aber nicht häufiger als bei gesunden Frauen auch, was die Diagnosestellung verzögern kann.
Auffällig sind stattdessen endokrine Störungen, bei denen Insulin, Androgene, neuroendokrine sowie ovarielle Hormone eine Rolle spielen. Entsprechend gross ist die Palette von Symptomen und Erkrankungen, die mit dem Syndrom assoziiert sein können (s. Kasten).
Ein Syndrom mit vielen Facetten
Folgende Erkrankungen und Symptome können Ausdruck eines PMOS sein (Auswahl):
- Adipositas
- Dysglykämie, Typ-2-Diabetes
- Dyslipidämie
- arterielle Hypertonie
- metabolische-Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung
- Schlafapnoe
- gestörter Eisprung
- unregelmässige Menstruationszyklen
- Infertilität
- Schwangerschaftskomplikationen
- Endometriumkarzinom
- Depressionen, Angst
- schlechte Lebensqualität
- Essstörung
- Akne
- Alopezie
- Hirsutismus
Weltweit leidet eine von acht Frauen unter einem PMOS, insgesamt sind es schätzungsweise 170 Mio. Doch nur bei etwa 30 % von ihnen wird das Syndrom tatsächlich erkannt. Gemäss internationaler Leitlinien müssen ab einem Alter von 20 Jahren mindestens zwei der folgenden Faktoren vorliegen, um ein PMOS zu diagnostizieren:
- Oligo- oder Anovulation
- klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus
- polyzystische Ovarien im Ultraschall oder erhöhte Werte des Anti-Müller-Hormons
Bei Mädchen und Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren müssen die beiden erstgenannten Kriterien zwingend erfüllt sein.
Teede HJ et al. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. Lancet 2026; 407: 2329-2339; doi: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8