Erhöhte Gefahr für Asthma durch Pizza, Cola & Co.?
Fertigprodukte, Snacks und stark verarbeitete Lebensmittel gehören für viele Kinder zum Alltag. Neue Daten legen nahe, dass diese Ernährungsweise langfristig Folgen für die Atemwegsgesundheit haben könnte.

Spanische Wissenschaftler untersuchten erstmals in einer prospektiven Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) und dem Neuauftreten von Asthma bei Kindern. Ziel war es, die bislang überwiegend aus Querschnittsstudien stammenden Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang durch longitudinale Daten zu ergänzen.
Grundlage der Analyse war die spanische SENDO-Kohorte, eine laufende Beobachtungsstudie zu Ernährung und Gesundheit von Kindern. Ausgewertet wurden die Daten von 691 Kindern, die im Alter von vier bis fünf Jahren in die Studie aufgenommen und durchschnittlich 3,4 Jahre lang beobachtet wurden. Die Ernährungsdaten erhoben die Forscher mithilfe eines validierten Food-Frequency-Fragebogens. Anhand der NOVA-Klassifikation berechneten sie den Anteil von UPF an der gesamten Energiezufuhr und teilten die Kinder entsprechend ihres Konsums in drei Gruppen (Tertile) ein. Bereits bestehende Fälle von Asthma oder anderen allergischen Erkrankungen wurden ausgeschlossen.
Fast vierfach erhöhtes Risiko bei hohem Konsum
Die Ergebnisse zeigten einen klaren Zusammenhang: Kinder mit höherem UPF-Konsum hatten ein deutlich erhöhtes Asthma-Risiko. In den drei Konsumgruppen (T1 bis T3, mit steigendem UPF-Anteil) lag die Asthma-Rate bei 2,6 %, 9,9 % und 7,6 %. Kinder, deren Ernährung zu mehr als einem Drittel aus hochverarbeiteten Lebensmitteln bestand (T2 und T3), hatten ein fast vierfach höheres Risiko, Asthma zu entwickeln, als Kinder mit geringem Konsum (T1). In der vollständig adjustierten Cox-Regression betrug die Hazard Ratio 3,76 (95%-Konfidenzintervall 1,15–11,51; p = 0,02). Auch die Asthma-Inzidenz-Rate war in der Gruppe mit höherem UPF-Konsum deutlich erhöht (25,4 vs. 6,9 Fällen pro 1000 Personenjahre).
Für andere untersuchte allergische Erkrankungen ergaben sich hingegen keine vergleichbaren Zusammenhänge. Weder für allergisches Asthma, atopische Dermatitis, Aeroallergen-Sensibilisierung, Nahrungsmittelallergien noch für den zusammenfassenden Endpunkt «Atopie» liess sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang mit dem UPF-Konsum nachweisen.
Die Ergebnisse deuten daher darauf hin, dass hochverarbeitete Lebensmittel möglicherweise eher über allgemeine entzündliche Mechanismen zur Asthma-Entstehung beitragen als über klassische allergische beziehungsweise IgE-vermittelte Prozesse. Diskutiert werden insbesondere chronische niedriggradige Entzündungsprozesse, die durch einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, einen geringen Ballaststoffanteil sowie so genannte Advanced Glycation End Products (bei der industriellen Verarbeitung entstehende Endprodukte der Glykierung) ausgelöst werden können.
Galindo O et al. Ultra-Processed Food Consumption and Childhood Allergic Diseases: Increased Risk of Asthma Onset in the SENDO Project. Allergy. 2026 May 5. doi: 10.1111/all.70378.
