Medical Tribune
28. Aug. 2026Placebokontrollierte Studie musste vorzeitig abgebrochen werden

Hochdosiertes Vitamin C bei Verbrennungen

Kann hochdosiertes Vitamin C die Folgen schwerer Verbrennungen abmildern? Dieser Frage ging ein internationales Forscherteam in einer gross angelegten, placebokontrollierten Studie nach.

Orange slice symbolizing vitamin c is eating the cut out piece on orange background. Healthy nutrition and immune system.
Cagkan/AdobeStock

Seit Jahrzehnten diskutiert man, ob hoch dosiertes Vitamin C, intravenös verabreicht, Patienten mit schweren Verbrennungen hilft. In kleineren Studien ging die Therapie mit einer Verringerung des benötigten Flüssigkeitsvolumens und der Beatmungsdauer einher.

Für die VICTORY-Studie wählte ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Christian Stoppe vom Universitätsklinikum Würzburg einen harten kombinierten Endpunkt: 28-Tage-Mortalität und anhaltende Organdysfunktion (1). Als persistierende Organdysfunktion galt eine fortbestehende Abhängigkeit von mechanischer Beatmung, Nierenersatzverfahren oder Vasopressor-/Inotropika-Therapie nach 28 Tagen. Doch bereits bei der ersten vorab festgelegten Zwischenanalyse zeichnete sich ab, dass die Ergebnisse alles andere als positiv ausfallen würden. Die Studie wurde sofort abgebrochen.

Mehr als die Hälfte war invasiv beatmet

Der Hintergrund der VICTORY-Studie war die Annahme, dass die starke systemische Entzündungsreaktion nach schweren Verbrennungen wesentlich zu Organversagen und Mortalität beiträgt. Die Wissenschaftler hofften, die pathophysiologischen Prozesse mit den antioxidativen Eigenschaften von Vitamin C abzuschwächen und so die Organfunktionen zu erhalten.

In die internationale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-III-Studie nahmen die Autoren 238 Patienten ab 18 Jahren auf. Sie hatten tiefe Verbrennungen zweiten oder dritten Grades. Mindestens 20 Prozent der Körperoberfläche waren betroffen, und eine Hauttransplantation war nötig. Den Schweregrad der Erkrankung und die Organfunktionen erfassten sie mittels etablierter intensivmedizinischer Scores, darunter SOFA- und APACHE-II-Score. Mehr als die Hälfte der Patienten war bereits bei Randomisierung invasiv beatmet.

Die Patienten erhielten entweder hoch dosiertes Vitamin C intravenös oder ein Placebo. Die Dosis betrug 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht alle sechs Stunden über 96 Stunden. Die Behandlung erfolgte zusätzlich zur leitliniengerechten intensivmedizinischen Versorgung einschliesslich Flüssigkeitszufuhr, Organunterstützung und chirurgischer Verbrennungstherapie.

Der primäre kombinierte Endpunkt (28-Tage-Mortalität und persistierende Dysfunktion der Organe) trat bei 40,8 % der Patienten in der Vitamin-C- und bei 29,7 % der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Damit zeigte sich kein Vorteil der Vitamin-C-Therapie in Bezug auf das Überleben oder die Organfunktion. Vielmehr bestand ein Trend zu ungünstigeren Ergebnissen unter Vitamin C.

Kein routinemässiger Einsatz bei Verbrennungen

Aus therapeutischer Sicht besonders relevant war die höhere Mortalität in der Interventionsgruppe: Die 28-Tage-Mortalität lag unter Vitamin C bei 15,0 % und bei 7,6 % unter Placebo. Darüber hinaus liess sich keine Verkürzung der Spitalverweildauer oder eine Verbesserung anderer klinisch relevanter Endpunkte nachweisen. Auch die ursprünglich erwarteten Vorteile hinsichtlich Flüssigkeitsbedarf, Organfunktion oder Rekonvaleszenz wurden nicht bestätigt.

«Unsere Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen», erklärte Prof. Stoppe in einer Pressemitteilung (2). «Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemässig eingesetzt werden.»