Medical Tribune
20. Aug. 2026Kennzeichnung auf Speisekarten mit Symbol und Text am effektivsten

Warnhinweise senken Zuckerbestellung

Gut sichtbare Warnhinweise auf Restaurant-Speisekarten können Verbraucher zu einer zuckerärmeren Auswahl bewegen. Besonders wirksam erwiesen sich Warnsymbole mit ergänzendem Schriftzug, wie eine aktuelle Studie zeigt.

A heart making of half a red heart and sugar cubes on a blue background. World diabetes day, November 14.
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Ein hoher Konsum von zugesetztem Zucker erhöht das Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies.

Restaurants tragen wesentlich dazu bei: In den USA stammt rund ein Fünftel der täglichen Kalorienzufuhr aus Restaurantmahlzeiten, die häufig mehr zugesetzten Zucker enthalten als für einen ganzen Tag empfohlen wird.

Warnhinweise auf Speisekarten gelten daher als vielversprechende Public-Health-Massnahme. New York City führte sie 2025 als erste Stadt weltweit verpflichtend für besonders zuckerreiche Speisen und Getränke in Restaurantketten ein. Welche Gestaltung dabei am wirksamsten ist und ab welchem Schwellenwert eine Kennzeichnung erfolgen sollte, war bislang jedoch unklar.

Dieser Frage ging eine online durchgeführte randomisierte kontrollierte Studie mit mehr als 10 400 Erwachsenen in den USA nach. Die Teilnehmer stellten hypothetische Bestellungen aus den Speisekarten eines Fast-Food- und eines Full-Service-Restaurants sowie eines Cafés zusammen. Die Autoren verglichen zum einen zwei Warnhinweise – ein grosses rotes Symbol ohne Text und ein schwarzes Symbol mit dem Schriftzug «SUGAR WARNING», zum anderen zwei Schwellenwerte (≥ 50 % bzw. ≥100 % des empfohlenen Tageswertes an zugesetztem Zucker). Primärer Endpunkt war die bestellte Menge an zugesetztem Zucker.

Bis zu 11 % weniger zugesetzter Zucker bestellt

Beide Hinweisvarianten führten gegenüber der Kontrollgruppe zu einer signifikanten Reduktion der bestellten Zuckermenge. Am wirksamsten erwies sich der Warnhinweis, der ein Symbol mit dem Schriftzug kombinierte. Er wurde von den Probanden deutlich häufiger wahrgenommen und beeinflusste das Bestellverhalten stärker als ein Symbol allein.

Bei den Abendessen verringerte der Warnhinweis mit Symbol und Schriftzug die bestellte Menge an zugesetztem Zucker um durchschnittlich 10,4 g bzw. 11 %, das Symbol ohne Text um 6,6 g bzw. 7 %. Im direkten Vergleich reduzierte der Warnhinweis mit Schriftzug die bestellte Zuckermenge zusätzlich um 3,7 g (4 %). Die Effekte waren sowohl in Fast-Food- als auch in Full-Service-Restaurants vergleichbar.

Auch beim Frühstück im Café kam es zu einer Reduktion der bestellten Zuckermengen. Hier fielen die Effekte jedoch geringer aus und zwischen beiden Warnhinweis-Designs bestand kein signifikanter Unterschied. Die Autoren führen dies zum einen darauf zurück, dass Cafés nur wenige zuckerarme Alternativen anbieten. Zum anderen enthalten Abendessen in der Regel deutlich grössere Mengen an zugesetztem Zucker, sodass dort stärkere absolute Reduktionen möglich waren. Die Wahl der Schwellenwerte beeinflusste den bestellten Zuckergehalt nicht.

Wirkung unabhängig von sozialen Faktoren

Die Effekte der Warnhinweise unterschieden sich weder nach Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Einkommen, ethnischer Zugehörigkeit oder bestehendem Typ-2-Diabetes. Dies spricht dafür, dass Zuckerwarnhinweise breite Bevölkerungsschichten erreichen und gesundheitliche Ungleichheiten nicht verstärken. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass selbst mit den wirksamsten Warnhinweisen viele Personen noch immer Mahlzeiten bestellten, die fast die doppelte empfohlene Tagesmenge an zugesetztem Zucker enthielten. Daher seien zusätzliche Massnahmen entlang der gesamten Lebensmittelkette erforderlich.