Ohrakupressur bei funktioneller Dyspepsie
Die Ohrakupressur hat ihre Wurzeln in der traditionellen chinesischen Medizin und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Forscher untersuchten nun ihr Potenzial bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie und Insomnie.

Die Ohrakupressur (auricular acupressure, AA) wirkt, indem sie das zentrale Nervensystem über die afferenten Vagusnerven in der Ohrmuschel stimuliert. Sie moduliert die Hirn-Darm-Achse, reduziert die viszerale Überempfindlichkeit, normalisiert die Darmmotilität, verbessert den Schlaf und lindert Angstzustände und andere negative Emotionen, schreiben Forscher aus China um Meng-Yuan Shen vom Zhejiang Provincial Hospital of Chinese Medicine in Hangzhou.
Um die Wirksamkeit und Sicherheit der Ohrakupressur bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie (FD) und Insomnie zu untersuchen, führten die Wissenschaftler eine prospektive, randomisierte, scheinkontrollierte Studie durch.
30–50 % der Patienten mit funktioneller Dyspepsie sind von einer Insomnie betroffen. Sie haben tendenziell schwerere Symptome und höhere Raten von Depressionen und Angstzuständen. Die Autoren halten fest, dass ein zunehmendes Interesse an der Erforschung alternativer Therapieansätze zu den bereits bestehenden medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsmöglichkeiten für FD-Patienten mit Insomnie besteht.
Scheininterventionsgruppe stimulierte Ohrläppchen
Die Wissenschaftler schlossen 82 erwachsene Personen mit funktioneller Dyspepsie und Insomnie in ihre Untersuchung ein. Je die Hälfte von ihnen wurde in die Interventions- und in die Scheininterventionsgruppe randomisiert. Die Behandlungsphase dauerte zwei Wochen. Nach einer Instruktion waren die Teilnehmer der Interventionsgruppe angehalten, die entsprechenden Akupressur-Punkte dreimal täglich für jeweils 30 Sekunden zu stimulieren – abwechselnd zwischen rechtem und linkem Ohr, bis die Ohren rot oder druckempfindlich wurden. Zusätzlich erhielten die Patienten einmal wöchentlich eine Intensivbehandlung von 20–25 Minuten. Die Probanden der Scheininterventionsgruppe stimulierten das Ohrläppchen – eine Region mit minimaler vagaler Innervation.
77 Teilnehmer schlossen die zweiwöchige Behandlungsphase ab, 74 komplettierten auch das Follow-up nach acht Wochen. Die Ansprechrate – definiert als Abnahme des Scores im Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) um mindestens 50 % – betrug nach zwei Wochen 53,7 % in der Ohrakupressur-Gruppe und 29,3 % in der Scheininterventionsgruppe. Das ergab eine statistisch signifikante Differenz von 24,4 Prozentpunkten (p < 0,001). Die Wirksamkeit der Ohrakupressur hielt bis zum Follow-up nach acht Wochen an. Die Ansprechraten betrugen 48,8 % vs. 22,0 % (p < 0,001).
Alle Nebenwirkungen leicht und lokal begrenzt
Zu Nebenwirkungen kam es bei 14,6 % der Patienten in der Ohrakupressur-Gruppe und bei 7,7 % in der Scheininterventionsgruppe (p = 0,53). Alle unerwünschten Wirkungen waren leicht und lokal begrenzt, wobei nach der ersten Behandlung in neun Fällen lokale Schmerzen auftraten. Weitere Nebenwirkungen waren Hautrötungen und Hautreizungen. Diese Ereignisse waren selbstlimitierend und klangen ohne medizinische Intervention ab.
Gemäss Kenntnisstand der Autoren hat ihre Studie zum ersten Mal gezeigt, dass der Einsatz von Ohrakupressur bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie und Insomnie wirksamer ist als eine Scheinbehandlung. Sie weisen zudem auf die Vorteile der AA gegenüber bestehenden Therapieoptionen bei diesen Patienten hin. Sie betonen, dass die AA bequem und einfach anzuwenden ist und eine kostengünstige und patientenfreundliche Behandlungsmöglichkeit darstellt. Die Autoren schlussfolgern, dass zukünftige Forschungsarbeiten sich auf längere Nachbeobachtungszeiträume konzentrieren und die spezifischen Wirkungsmechanismen der Ohrakupressur genauer untersuchen sollten.
Shen MY et al. Efficacy and Safety of Auricular Acupressure for Insomnia in Patients With Functional Dyspepsia: A Randomized Controlled Trial. Am J Gastroenterol. 2025 Dec 10. doi: 10.14309/ajg.0000000000003880.