Medical Tribune
26. Juli 2026Phase-III-Daten zeigen moderaten Effekt

Mirtazapin bei Methamphetamin-Abhängigkeit

Eine Methamphetamin-Abhängigkeit geht mit einer hohen Morbidität und Mortalität einher, auch weil es bislang an zugelassenen pharmakologischen Optionen fehlt. Eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-III-Studie liefert nun Hinweise darauf, dass das Antidepressivum Mirtazapin den Konsum bei moderater bis schwerer Abhängigkeit reduzieren kann.

Frauenhand mit Tablette
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Eine Methamphetamin-Gebrauchsstörung ist schwer zu behandeln und mit erheblichen psychiatrischen und somatischen Risiken verbunden, darunter Psychosen, Suizidalität und kardiovaskuläre Komplikationen.

Weltweit sind rund 7,4 Millionen Menschen betroffen, verbunden mit jährlich mehr als 300.000 Todesfällen. Trotz dieser Krankheitslast existieren bislang keine zugelassenen Therapien. Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Forscherteam Mirtazapin als potenzielle Behandlungsoption.

Breitere Population, praxisnahe Bedingungen

339 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren mit moderater bis schwerer Methamphetamin-Abhängigkeit nahmen an der Studie teil (1). Sie wiesen eine lange Konsumkarriere über durchschnittlich mehr als zwei Jahrzehnten auf und konsumierten zu Studienbeginn nahezu täglich.

Im Unterschied zu früheren Studien wurde damit eine breitere, klinisch realistischere Population eingeschlossen, darunter sowohl Männer als auch Frauen sowie zu etwa 50% Patienten mit komorbider Depression. Die Behandlung erfolgte über drei Monate mit täglich 30 mg Mirtazapin oder Placebo, ergänzt durch die übliche Versorgung in spezialisierten Ambulanzen. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Konsumtage pro Monat.

Moderate, aber signifikante Reduktion des Konsums

Unter Mirtazapin reduzierte sich der Methamphetamin-Konsum pro 28 Tage im Mittel um 7 Tage, verglichen mit fünf Tagen in der Placebogruppe. Die Differenz von zwei Tagen erwies sich als statistisch signifikant. Auch wenn der absolute Effekt begrenzt erscheint, führte die Behandlung zu einer Reduktion des Konsumrisikos um etwa 8 % pro Tag, was für einzelne Patienten klinisch relevant sein könnte, so die Autoren. Dieser kleine Fortschritt könne langfristig bedeutsam sein.

Der genaue Wirkmechanismus von Mirtazapin in diesem Kontext ist allerdings nicht abschliessend geklärt. Diskutiert wird insbesondere eine Modulation serotonerger Rezeptoren, die möglicherweise die belohnenden Effekte von Methamphetamin abschwächt. Im Gegensatz zu dopaminerg wirkenden Substanzen könnte dies einen alternativen therapeutischen Ansatz darstellen.

Sedierung und Gewichtszunahme traten unter Mirtazapin häufiger auf als unter Placebo. Diese Effekte könnten in dieser Patientengruppe potenziell günstig sein, da Schlafstörungen und Gewichtsverlust typische Begleiterscheinungen des Methamphetamin-Konsums sind.

Ein Baustein, kein Durchbruch

Trotz der signifikanten Ergebnisse bleibt die klinische Wirkung begrenzt. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass Mirtazapin bei der Methamphetamin-Abhängigkeit nicht als alleinige Therapie verstanden werden sollte. Vielmehr sei es als Ergänzung zu bestehenden psychosozialen Interventionen zu sehen. Es handelt sich um einen wichtigen ersten Schritt, der dazu beitragen kann, Patienten überhaupt in Behandlung zu bringen und langfristig zu binden. Frühere Studien mit anderen Substanzen zeigten ebenfalls nur moderate Effekte, sodass künftig multimodale Strategien im Fokus stehen dürften.

Die pharmakologische Unterstützung kann sinnvoll sein – insbesondere bei Menschen mit komorbiden Schlafstörungen, Gewichtsverlust oder depressiver Symptomatik, so das Fazit der Autoren. Die vorliegenden Daten sprechen dafür, Mirtazapin als additive Therapieoption im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzepts in Erwägung zu ziehen.