Medical Tribune
23. Juni 2026Gefahr nimmt mit steigender Schadstoffbelastung zu

Feinstaub erhöht Parkinson-Risiko

Feinstaub schadet offenbar nicht nur Herz und Lunge, sondern möglicherweise auch dem Gehirn: Neue Daten deuten darauf hin, dass langfristige Luftverschmutzung auch das Parkinson-Risiko erhöht.

Frau zeigt auf ihrem Smartphone eine PM2,5-Feinstaubwarnung.
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Parkinson ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit, wobei sich die Zahl der Betroffenen seit 1990 um rund 150 % erhöht hat. Luftverschmutzung gilt zunehmend als möglicher Risikofaktor.

Vor allem die langfristige Exposition von Feinstaub kann – unter anderem durch Neuroinflammation und oxidativen Stress – neurodegenerative Prozesse fördern. Bisher war die Evidenz zum Zusammenhang mit Luftschadstoffen widersprüchlich. Eine aktuelle dänische Registerstudie lieferte nun erstmals deutliche Hinweise darauf, dass die langfristige Exposition gegenüber Feinstaub und verkehrsbedingten Schadstoffen das Parkinson-Risiko erhöht.

Daten von über 3 Millionen Personen ausgewertet

Die Studie des Autorenteams um Dr. Thomas Cole-Hunter von der Universität Kopenhagen umfasste 3,28 Millionen Däninnen und Dänen im Alter von über 30 Jahren. Die Forscher analysierten die langfristige Belastung am Wohnort durch Feinstaub (PM2.5), Stickstoffdioxid (NO2), Ozon und Russpartikel (Black Carbon) und prüften deren Zusammenhang mit dem Parkinson-Risiko. Dabei berücksichtigten sie Faktoren wie Alter und Geschlecht sowie individuelle und regionale soziale Lebens­bedingungen.

Erfasst wurden dabei nicht nur Patienten mit einer primären Spitaldiagnose, sondern auch Personen, die ein Rezept für dopaminerge Parkinson-Medikamente einlösten. Durch die Kombination beider Registerdaten gelang es den Autoren, auch mildere Erkrankungsformen zu identifizieren.

Feinstaub, NO2 und Black Carbon erhöhen das Risiko

Während der mittleren Beobachtungszeit von 15,7 Jahren entwickelten über 36 600 Personen einen Morbus Parkinson. Menschen, die über viele Jahre starker Luftverschmutzung ausgesetzt waren, erkrankten dabei häufiger. Besonders Feinstaub, Stickstoffdioxid und Russpartikel (Black Carbon) standen mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang. Dabei liess sich erstmals ein klarer Zusammenhang zwischen Parkinson und Black Carbon, einem typischen Bestandteil von Verkehrsabgasen, nachweisen. Für Ozon zeigte sich dagegen kein erhöhtes Parkinson-Risiko, sondern teilweise sogar ein gegenteiliger Effekt.

Bei niedriger Belastung waren die Effekte eher gering, bei hoher Belastung jedoch klar ausgeprägt. Zudem schienen ältere Menschen und Personen mit höherem Einkommen stärker betroffen zu sein – möglicherweise, weil sie häufiger in stark verkehrsbelasteten Innenstädten leben. Auch Frauen zeigten stärkere Zusammenhänge, was die Autoren auf andere Expositionsmuster (z. B. Beruf) sowie physiologische Unterschiede (z. B. Hormonstatus, Körper- und Lungengrösse) zurückführten. Vorerkrankungen wie Diabetes, Asthma, COPD oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussten die Ergebnisse dagegen nicht wesentlich.

Angesichts der weltweit steigenden Zahl an Parkinson-Erkrankungen unterstreichen die Daten die Bedeutung konsequenter Luftreinhaltemassnahmen – selbst in Ländern mit vergleichsweise niedriger Schadstoffbelastung.