Medical Tribune
24. Juni 2026Gedächtnisleistung verbessert

Elektroakupunktur bei Alzheimer-Patienten untersucht

Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass Elektro­akupunktur Gedächtnis und Aufmerksamkeit bei Alzheimer-Patienten verbessern könnte. Die Effekte hielten teilweise sogar nach Therapieende an. Allerdings sollte man die Ergebnisse aufgrund der geringen Studiengrösse vorsichtig interpretieren.

Kognitive Testung einer älteren Patientin im Rahmen der Demenzdiagnostik.
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Bei der Alzheimer-Demenz können Medikamente wie der Acetylcholinesterase-Hemmer Donepezil oder Memantin zwar teilweise die Symp­tome lindern, halten jedoch den Krankheitsverlauf nicht auf. Nichtmedikamentöse Verfahren wie die Akupunktur rücken damit zunehmend in den Vordergrund. Insbesondere die Elektroakupunktur (EA) zeigte in Studien bisher positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit und pathophysiologische Prozesse, etwa die Reduktion von β-Amyloid-Ablagerungen.

Ein Team aus Wissenschaftlern um Ran Li, Guang’anmen Hospital, Peking, untersuchte nun die langfristige Wirksamkeit von Elektroakupunktur bei Alzheimer. Die Studie umfasste 66 Patienten mit wahrscheinlicher Alzheimer-Demenz, die randomisiert entweder einer EA-Gruppe oder einer Schein-EA-Gruppe zugeteilt wurden. Die Intervention erfolgte über 24 Wochen mit jeweils 20-minütigen Sitzungen und anschliessender Nachbeobachtung für weitere vier Wochen.

Beide Gruppen erhielten zusätzlich leitliniengerecht eine Therapie mit Donepezil und/oder Memantin. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der kognitiven Leistungsfähigkeit anhand des Alzheimer’s Disease Assessment Scale-Cognitive(ADAS-Cog)-Scores. Zusätzlich beurteilten die Forscher Alltagsaktivitäten sowie Verhaltens- und psychologische Symptome der Teilnehmer.

Kognitive Verbesserungen bereits nach acht Wochen

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Vorteil der Elektroakupunktur gegenüber der Scheinbehandlung. Nach 24 Wochen betrug die mittlere Verbesserung im ADAS-Cog-Score in der EA-Gruppe −4,71 Punkte gegenüber einer Verschlechterung von +1,40 Punkten in der Kontrollgruppe. Bereits nach acht Wochen zeigten sich signifikant stärkere Verbesserungen in der Interventionsgruppe. Der Effekt verstärkte sich bis Woche 20 weiter und hielt auch während der Nachbeobachtungsphase an.

Die Elektroakupunktur wirkte sich zudem positiv auf einzelne kognitive Funktionen aus, insbesondere Worterinnerung, Worterkennung und Aufmerksamkeit. Hinsichtlich der Alltagsfunktionen ergab sich kein signifikanter Unterschied im Gesamt-ADL-Score. Subanalysen zeigten jedoch Verbesserungen bei den instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL).

Diese umfassen komplexere Fähigkeiten wie Organisation, Haushaltsführung oder Medikamentenmanagement und sind häufig bereits früh im Krankheitsverlauf beeinträchtigt. Auch neuropsychiatrische Symptome, wie Unruhe, emotionale Belastung und Verhaltensauffälligkeiten, nahmen unter Elektroakupunktur signifikant stärker ab; die Unterschiede zwischen den Gruppen waren am Ende des Nachbeobachtungszeitraums allerdings nicht mehr signifikant.

Insgesamt sollten die Ergebnisse der Studie jedoch vorsichtig interpretiert werden, denn die Aussagekraft ist aufgrund der kleinen Fallzahl, des monozentrischen Designs und dem Fehlen von objektiven Biomarkern begrenz, so die Autoren. Die beobachteten Verbesserungen könnten teilweise auch auf unspezifische Effekte zurückzuführen sein und waren zudem bei den Alltagsfunktionen und neuropsychiatrischen Symptome nicht dauerhaft. Um diese Befunde zu bestätigen, sind grössere multizentrische Studien nötig.