Medical Tribune
20. Juni 2026Studie findet langfristig mehr Ovarial- und Mammakarzinome

Krebsrisiko durch Endometriose?

Endometriose ist vor allem als Ursache chronischer Schmerzen und unerfüllten Kinderwunsches bekannt. Nun liefert eine schwedische Registerstudie Hinweise darauf, dass betroffene Frauen häufiger an Eierstock- und Brustkrebs erkranken – insbesondere im Jahr der Endometriose-Diagnose.

Schematische Darstellung von Endometrioseherden im weiblichen Becken.
TuMeggy/stock.adobe.com

Endometriose betrifft rund 10 % aller Frauen im reproduktiven Alter. Charakteristisch sind Herde von ektopem, Gebärmutterschleimhaut-ähnlichem Gewebe, das meist an Peritoneum und Ovarien lokalisiert ist und dort eine chronische Entzündungsreaktion auslöst. Darüber hinaus weist die Erkrankung mehrere biologische Merkmale auf, die auch von Malignomen bekannt sind: z. B. Gewebeinvasion, Resistenz gegenüber Apoptose und die Fähigkeit zur Bildung von Verwachsungen.

Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Forscherteam um Louise Moberg, Universität Lund, anhand Daten schwedischer Gesundheits­register den Zusammenhang zwischen Endometriose bzw. Adenomyose und gynäkologischen Tumoren sowie Brustkrebs. 49 000 Frauen, die erstmalig eine Endometriose- bzw. Adenomyose-Diagnose erhalten hatten, wurden hinsichtlich späterer Krebsdiagnosen über durchschnittlich 20,2 Jahre nachverfolgt. Als Referenz dienten Frauen ohne entsprechende Diagnose im selben Zeitraum.

Deutlich erhöhte Krebsrate im Diagnosejahr

Mehr als 1.700 Frauen (3,6 %) entwickelten eine gynäkologische Krebserkrankung oder Brustkrebs.

Die Gesamtinzidenz aller untersuchten Tumoren war bei Frauen mit Endometriose um 40 % höher als in der Vergleichsbevölkerung. Besonders ausgeprägt war das Risiko für Tumoren, die im selben Kalenderjahr wie die Endometriose- oder Adenomyose-Diagnose entdeckt wurden: Eierstockkrebs trat etwa 40-mal, Endometriumkarzinome sogar 47-mal häufiger auf als in der Vergleichsbevölkerung. Die stärkste Risikoerhöhung zeigte sich für klarzellige Ovarialkarzinome.

Die Autoren führen diese Werte vor allem auf einen diagnostischen Zusammenhang zurück: Endome­triose werde häufig im Rahmen der Abklärung eines Tumorverdachts entdeckt – oder umgekehrt ein bislang unerkannter Tumor im Zuge der Endometriose-Diagnostik. Auch Zufallsbefunde während operativer Eingriffe könnten eine Rolle spielen.

Krebsrisiko bleibt bei Endometriosepatientinnen erhöht

Von besonderem Interesse war die Frage, ob das erhöhte Krebsrisiko auch langfristig bestehen bleibt. Tatsächlich zeigte sich über die gesamte Nachbeobachtungszeit hinweg ein anhaltend erhöhtes Risiko für Brustkrebs und epitheliale Ovarialkarzinome. Als mögliche Ursache für das erhöhte Brustkrebsrisiko (standaradisierte Inzidenzrate, SIR, 1,2) diskutierten die Autoren hormonelle Behandlungen der Endometriose.

Das erhöhte Eierstockkrebsrisiko betraf v. a. Frauen unter 60 Jahren und war nahezu doppelt so hoch wie in der Vergleichsbevölkerung. Die Autoren betonen jedoch, dass eine prophylaktische Entfernung von Eileitern und Eierstöcken allein aufgrund einer Endometriose nicht gerechtfertigt erscheint. Für Endometrium- und Gebärmutterhalskrebs zeigte sich dagegen kein langfristig erhöhtes Risiko; die Raten lagen sogar unter denen von Frauen ohne Endometriose oder Adenomyose.

Die Ergebnisse sprechen insgesamt dafür, Frauen mit Endome­triose oder Adenomyose langfristig besonders aufmerksam hinsichtlich möglicher gynäkologischer Tumoren und Brustkrebs zu betreuen.