Einsamkeit erhöht Risiko für Herzklappenerkrankungen
Herzklappenerkrankungen sind nicht nur eine Frage von Alter und Verschleiss. Eine aktuelle Studie zeigt: Einsamkeit erhöht das Risiko für degenerative Herzklappenerkrankungen signifikant – und ungesunde Lebensgewohnheiten spielen dabei eine zentrale Rolle.

Mit dem Altern der Bevölkerung sind degenerative Veränderungen inzwischen die häufigste Ursache von Herzklappenerkrankungen. Aortenklappenstenosen machen rund die Hälfte der Fälle aus, Mitralklappeninsuffizienzen etwa ein Viertel. Die Krankheit verläuft oft schleichend und bleibt lange unerkannt. Unbehandelt ist das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie eine Herzinsuffizienz oder einen plötzlichen Herztod hoch.
Neben den klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren scheinen auch psychosoziale Aspekte die kardiovaskuläre Gesundheit zu beeinflussen. Zahlreiche Studien haben sowohl Einsamkeit als auch soziale Isolation mit einer erhöhten Inzidenz und Mortalität verschiedener kardiovaskulärer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Gleichzeitig entstehen degenerative Herzklappenerkrankungen durch ein komplexes Zusammenspiel von Umweltfaktoren und genetischer Veranlagung.
Nicht Isolation, sondern Einsamkeit zählt
Wie genau Einsamkeit, soziale Isolation, Lebensstilfaktoren und genetische Veranlagung zusammenwirken, war bislang jedoch unklar. Um diese Wissenslücke zu schliessen, führten chinesische Wissenschaftler um Chenghui Cao eine prospektive Kohortenstudie auf Basis der UK Biobank durch.
Die Studie umfasste über 460.000 Probanden, die zu Studienbeginn keine degenerative Herzklappenerkrankung hatten. Einsamkeit und soziale Isolation erfassten die Wissenschaftler mithilfe validierter Fragebögen. Als einsam galten Personen, wenn sie sozial abgekoppelt lebten und dies als belastend empfanden. Im Unterschied dazu bezeichnete der Begriff soziale Isolation einen objektiv geringen sozialen Kontakt.
Die Forscher verfolgten die Teilnehmer für knapp 14 Jahre nach und registrierten in diesem Zeitraum mehr als 11.000 Fälle degenerativer Herzklappenerkrankungen. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Krankheitsrisiko: Personen, die sich sehr einsam fühlten, wiesen ein um etwa 19–23 % erhöhtes Risiko, solche Erkrankungen zu entwickeln.
Betroffene mit ausgeprägter Einsamkeit hatten ein zudem deutlich höheres Risiko für schwere Folgeereignisse, einschliesslich Klappenersatz und kardiovaskulärem Tod. Auffällig war: Für soziale Isolation zeigten sich keine vergleichbaren Zusammenhänge – weder allein noch in Kombination mit Einsamkeit.
Ungesunder Lebensstil als wesentlicher Faktor
Auch das Zusammenspiel mit genetischen Faktoren ist relevant. Einsamkeit und genetische Veranlagung wirken unabhängig voneinander, verstärken sich aber gegenseitig: Besonders gefährdet sind Menschen, bei denen beides zusammenkommt. Einsamkeit erweist sich damit als wichtiger, beeinflussbarer Risikofaktor, vor allem bei Personen mit erhöhtem genetischem Risiko für Herzklappenerkrankungen.
Als mögliche Ursachen kommen mehrere Mechanismen infrage. Eine zentrale Rolle spielen ungesunde Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung und Schlafstörungen. Hinzu kommt, dass Einsamkeit depressive Symptome begünstigt, gesundheitsbewusstes Verhalten beeinträchtigt und zusätzlich mit neuroendokrinen Veränderungen, chronischen Entzündungsprozessen und Stoffwechselstörungen wie Dyslipidämie und Diabetes verbunden ist.
Für Prävention und Therapie bedeutet das laut des Autorenteams: Ärzte müssen neben medizinischen Massnahmen auch psychosoziale Faktoren berücksichtigen und den Lebensstil der Betroffenen gezielt modifizieren.
Cao C et al. Social Disconnection, Genetic Risk, and the Incidence of Degenerative Valvular Heart Disease: A Population-Based Cohort Study. J Am Heart Assoc. 2026; 15: e045931. doi: 10.1161/JAHA.125.045931