Jugendliche Hypertonie fördert spätere Atherosklerose
Erhöhte Blutdruckwerte sind nicht nur bei Erwachsenen relevant. Auch in jungen Jahren sind sie mit einem höheren Risiko für eine koronare Atherosklerose verbunden. Die zeigt eine Studie aus Schweden.

Die Forscher analysierten Daten von über 10.000 Männern, deren Blutdruck im Alter von durchschnittlich 18 Jahren bei der Musterung gemessen wurde. Rund 40 Jahre später wurden dieselben Personen mithilfe moderner bildgebender Verfahren auf das Vorliegen einer Atherosklerose untersucht.
Die Studie wollte klären, ob bereits leicht erhöhter Blutdruck in der Jugend langfristig Gefässveränderungen und ein höheres kardiovaskuläres Risiko begünstigt. Dafür nutzten die Wissenschaftler die Koronar-CT-Angiografie (CCTA), die auch frühe Stadien der Atherosklerose sichtbar macht. Zusätzlich analysierten die Forscher Kalk-Scores der Koronararterien sowie Plaques in den Karotiden.
Systolischer Blutdruck mit Atherosklerose verbunden
Die Wissenschaftler fanden einen klaren dosisabhängigen Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutdruck im Jugendalter und dem späteren Auftreten koronarer Atherosklerose. Bereits leicht erhöhte Blutdruckwerte gingen mit einem erhöhten Risiko für relevante Gefässveränderungen im mittleren Lebensalter einher. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Jugendlichen mit Hypertonie Grad 2 (160–179/100–109 mmHg). Diese Gruppe zeigte im späteren Erwachsenenalter deutlich häufiger schwere koronare Stenosen von mindestens 50 % als Teilnehmer mit normalen Blutdruckwerten. Während bei normotonen Jugendlichen etwa 6,9 % schwere koronare Verengungen entwickelten, lag der Anteil bei Personen mit Hypertonie Grad 2 bei rund 10 %.
Die Analyse ergab zudem, dass insbesondere der systolische Blutdruck eng mit dem späteren Atherosklerose-Risiko verbunden war, und zwar bereits ab einem Wert von etwa 120 mmHg. Für den diastolischen Blutdruck ergaben sich ebenfalls Zusammenhänge mit koronarer Atherosklerose, diese waren jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. Die Autorinnen und Autoren interpretieren dies als Hinweis darauf, dass der systolische Blutdruck in jungen Jahren möglicherweise eine besonders wichtige Rolle für frühe Gefässschädigungen spielt.
Instabile Plaqueformen und höhere Kalk-Scores
Darüber hinaus fand sich ein Zusammenhang zwischen erhöhten Blutdruckwerten mit komplexeren Plaqueformen. Vor allem sogenannte gemischte Plaques, die als instabiler gelten und mit einem höheren Risiko für spätere kardiovaskuläre Ereignisse verbunden sind, traten häufiger bei Personen mit erhöhtem Blutdruck im Jugendalter auf. Auch karotide Plaques sowie höhere Koronarkalk-Scores wurden bei steigenden Blutdruckwerten häufiger beobachtet.
Die Ergebnisse blieben auch nach Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren wie Body-Mass-Index, Rauchen, Bildungsniveau und weiterer Kovariablen stabil. Sensitivitätsanalysen bestätigten die Robustheit der Befunde weitgehend. Eine Limitation der Studie ist, dass sie ausschliesslich Männer einschloss. Daher sind keine Aussagen über Frauen möglich. Zudem basierte die Blutdruckmessung auf einer einzelnen Untersuchung im Rahmen der Musterung, wodurch situative Einflüsse wie Stress nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Insgesamt liefert die Studie jedoch deutliche Hinweise darauf, dass erhöhte Blutdruckwerte bereits im Jugendalter langfristig zur Entwicklung subklinischer Atherosklerose beitragen, so die Autoren.
Als besonders relevant stufen sie ein, dass das Atheroskleose-Risiko nicht erst bei ausgeprägter Hypertonie, sondern bereits bei moderat erhöhten Werten anstieg. Die Ergebnisse unterstützen damit die Bedeutung früher Präventionsstrategien und sprechen dafür, Blutdruckveränderungen bereits in jungen Jahren ernst zu nehmen.
Herraiz-Adillo A et al. Blood Pressure in Adolescence and Atherosclerosis in Middle Age. JAMA Cardiol. 2026; 11(1): 14–24. doi:10.1001/jamacardio.2025.4271
