Frühscreening identifiziert 81 % späterer Typ-1-Diabetes-Fälle
Eine deutsche Populationsstudie testete über 220.000 Kindern mittels Screening auf Inselautoantikörper auf frühe Stadien eines Typ-1-Diabetes. Insgesamt erkannte sie 590 Kinder mit einem präsymptomatischen Typ-1-Diabetes – und damit 81 % jener Kinder, die im Verlauf eine klinisch manifeste Erkrankung entwickelten.

Beim Typ-1-Diabetes stehen zunehmend krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung, die den Beginn der klinischen Erkrankung verzögern können – darunter etwa der Anti-CD3 Antikörper Teplizumab. Eine Voraussetzung für solche Behandlungen ist allerdings, präsymptomatische Fälle frühzeitig zu entdecken.
Genau das nahmen sich Forscher in der bayrischen Fr1da-Studie vor. Sie untersuchten erstmalig langfristig und auf Populationsebene die Prävalenz und Progression eines präsymptomatischen Typ-1-Diabetes. Das Screening wurde in 73,9 % der kinderärztlichen Praxen in Bayern durchgeführt. Zwischen 2015 und 2025 testeten die beteiligten Zentren so insgesamt 220.476 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren (medianes Alter 3,1 Jahre, 48,7% Mädchen). Die Familien nahmen dabei freiwillig an der Studie teil.
0,3 % der getesteten Kinder hatten einen präklinischen Typ-1-Diabetes
Den Teilnehmern wurde Kapillarblut abgenommen, in dem verschiedene Inselautoantikörper bestimmt wurden, darunter gegen:
- Insulin (IAA)
- Glutamatdecarboxylase (GADA)
- Inselzellantigen 2 (IA-2A)
- Zinktransporter 8 (ZnT8A)
Positive Ergebnisse – definiert als mindestens zwei positive Autoantikörper – wurden durch eine weitere Blutabnahme bestätigt. Insgesamt wiesen 590 der getesteten Kinder einen präsymptomatischen Typ-1-Diabetes auf, entsprechend einer Prävalenz von 0,3 %. Teilnehmer mit auffälligen Befunden erhielten zusätzlich einen oralen Glukosetoleranztest und eine HbA1c-Messung. Anschliessend erfolgte die Einteilung in Stadium 1 (Normoglykämie), Stadium 2 (Dysglykämie) und Stadium 3 (klinisch manifester Diabetes). Familien betroffener Kinder erhielten Schulungen zu Diabetes sowie ein langfristiges Monitoring in spezialisierten Diabeteszentren.
11.726 Kindern – viele davon mit familiärer Typ-1-Diabetes-Vorbelastung – wurde nach einer medianen Dauer von 3,3 Jahren ein zweites Screening angeboten. Auf diese Weise identifizierten die Forscher weitere 29 Fälle eines präsymptomatischen Typ-1-Diabetes.
Screening erkannte die meisten Kinder
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,7 Jahren entwickelten insgesamt 260 Kinder einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes (20,1 Fälle pro 100.000 Personenjahre). Davon hatten 212 Kinder beim ersten Screening auffällige Werte gezeigt, weitere fünf erst im zweiten Screening. 43 Kinder entwickelten trotz unauffälligem Screening einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes.
Die Fünfjahres-Progression von einem präsymptomatischen zu einem klinisch manifesten Stadium betrug 36,2%, entsprechend einer jährlichen Progressionsrate von 9,6 %. Das Progressionsrisiko unterschied sich nicht signifikant zwischen Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung durch einen betroffenen Verwandten ersten Grades.
Für die Autoren zeigen die Ergebnisse, dass ein bevölkerungsbasiertes Screening mittels Inselautoantikörpern einen Grossteil später manifest werdender Typ-1-Diabetes-Fälle frühzeitig identifizieren könnte.
Die Resultate sprechen ihrer Ansicht nach dafür, Screenings nicht nur auf Kinder mit familiärer Vorbelastung zu beschränken: «Wenn wir das Screening ausschliesslich bei Kinder mit familiärer Vorbelastung durchgeführt hätten, hätten wir nur 101 der 590 Kinder mit frühem Typ-1-Diabetes im ersten Screening sowie 34 der 212 Kinder entdeckt, die später einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes entwickelten.»
Winkler C et al. Screening Children for Early-Stage Type 1 Diabetes. JAMA. 2026 May 21:e266085. doi: 10.1001/jama.2026.6085.
