Medical Tribune
31. Mai 2026Welche Rollen Fleischkonsum und fäkales Calprotectin spielen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Risiko für Krankheitsschübe vorhersagen

Welche Faktoren Krankheitsschübe von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auslösen und ob sich Schübe vorhersagen lassen, ist bislang unklar. Besondere Bedeutung scheint der Ernährung zuzukommen. Ob sie auch das Schubrisiko beeinflussen kann, untersuchte nun eine aktuelle Studie.

Frau hält sich Hände auf den Bauch.
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Die Ernährung gilt nicht nur als Risikofaktor für die Krankheitsentstehung, sondern dürfte auch die Entzündung des Darms und damit den Krankheitsverlauf beeinflussen. So besteht z. B. ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und der Entwicklung einer Colitis ulcerosa. Eine ballaststoffreiche und pflanzenbasierte Ernährung scheint die Darmentzündung wiederum zu hemmen. Es gibt jedoch wenig evidenzbasierte Daten dazu, ob veränderbare Ernährungsfaktoren das Risiko für Schübe beeinflussen.

Ein Team aus Wissenschaftlern um Nathan Constantine-Cooke vom University of Edinburgh Western General Hospital widmete sich nun genau dieser Fragestellung. In einer prospektiven Kohortenstudie untersuchte es u. a., inwiefern die gewohnheitsmässige Ernährung mit der Entstehung von Krankheitsschüben bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusammenhängt.

Hierfür analysierten die Forscher prospektiv 2629 Patienten mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder einer nicht klassifizierten CED, die sich in einer selbstberichteten Remission befanden. Die Nachbeobachtungsdauer betrug durchschnittlich 4,1 Jahre, mindestens aber 24 Monate.

Ernährung nur bei Colitis ulcerosa relevant

Zu Studienbeginn erhielten die Probanden einen validierten Fragebogen zur Häufigkeit des Lebensmittelverzehrs. Zudem wurden Laborparameter sowie das fäkale Calprotectin bestimmt. Während der Studie mussten die Teilnehmer monatlich Fragen zu ihren Symptomen und der Krankheitskontrolle beantworten. Der primäre Endpunkt war als Zeit bis zu einem patientenberichteten sowie objektiven Schub definiert. Letzterer lag definitionsgemäss vor, wenn folgende Kriterien erfüllt waren: patientenberichteter Schub plus C-reaktives Protein > 5 mg/l und/oder fäkales Calprotectin > 250 μg/g mit Therapieeskalation.

Innerhalb von 24 Monaten entwickelten 31 % der Teilnehmer einen patientenberichteten und 14 % einen objektiven Schub. Patienten mit Colitis ulcerosa berichteten häufiger von einem Schub als bei Morbus Crohn, bei den objektiven Schüben gab es keinen Unterschied.

Bemerkenswert war dabei der starke Zusammenhang zwischen dem fäkalen Calprotectin-Wert zu Studienbeginn und der Schubhäufigkeit: Patienten mit Werten < 50 µg/l hatten ein signifikant niedrigeres Schubrisiko, während sich dieses bei Werten zwischen 50–250 µg/g deutlich erhöhte. Diese Daten unterstreichen die Bedeutung von strengeren therapeutischen Zielwerten und stützen Biomarker-basierte «Treat-to-Target»-Strategien.

Patienten mit Colitis ulcerosa, die viel rotes und weisses Fleisch assen, hatten ein erhöhtes Risiko für objektive Schübe; dabei war das 2-Jahres-Risiko im höchsten Quartil doppelt so hoch wie im niedrigsten Quartil. Dieser Zusammenhang bestand unabhängig von Geschlecht, sozialem Status und fäkalem Calprotectin. Für Morbus Crohn fand sich kein entsprechender Effekt. Für hochverarbeitete Lebensmittel, Ballaststoffe oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren konnten die Forscher ebenso keine konsistenten Zusammenhänge feststellen. Die Ergebnisse untermauern damit die Bedeutung einer systematischen Ernährungsberatung bei Colitis ulcerosa, um Krankheitsschüben besser vorzubeugen.

Als klinisch relevant erwies sich ausserdem die Unterscheidung von objektiven und subjektiven Schüben: Weibliches Geschlecht, Anämie und eine schlechtere Lebensqualität waren mit patientenberichteten, nicht jedoch objektiven Schüben assoziiert. Dies unterstreicht die Bedeutung funktioneller Symptome und psychosozialer Faktoren in der Krankheitswahrnehmung.