Akupunktur mit Wearable bei postoperativer Übelkeit
Eine transkutane elektrische Stimulation des Akupunkturpunkts Perikard 6 könnte postoperative Übelkeit und Erbrechen wirksamer lindern als Metoclopramid – und die Rückfallrate deutlich senken.

Postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV) gelten als Herausforderung, da herkömmliche Antiemetika oft unzureichend wirken und Nebenwirkungen verursachen.
Chinesische Forscher untersuchten nun in einer multizentrischen randomisierten doppelblinden Studie die Wirksamkeit einer transkutanen elektrischen Stimulation des Akupunkturpunktes Perikard 6 (Neiguan) im Vergleich zu Metoclopramid bei moderatem bis schwerem PONV.
Frauen zwischen 25 und 55 Jahren untersucht
Die Akupunktur erfolgte mithilfe eines tragbaren transkutanen elektrischen Akupunkturstimulationsgerätes (TEAS). Eingeschlossen wurden 232 Frauen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren nach Schilddrüsen- oder zervikalen Eingriffen unter Allgemeinanästhesie, die postoperativ entsprechende Symptome entwickelten.
Die Teilnehmerinnen der Verum-Gruppe erhielten zwei Stunden lang eine Behandlung mit einem aktiven TEAS-Gerät und gleichzeitig eine Placebo-Infusion mit NaCl. Die Kontrollgruppe bekam – bei gleichzeitigem Einsatz eines inaktiven Stimulationsgeräts – 10 mg Metoclopramid infundiert. Primärer Endpunkt war die Symptomremission nach zwei Stunden, definiert als deutliche Reduktion der Übelkeit. Sekundäre Endpunkte umfassten die Rückfallrate innerhalb von 24 Stunden sowie die Wirksamkeit bei Patientinnen, die zunächst nicht auf die jeweilige Therapie ansprachen.
Akupunktur auch nach Medikamenten wirksam
Die Ergebnisse zeigen eine signifikant höhere Wirksamkeit der TEAS-Anwendung gegenüber der medikamentösen Therapie. Nach zwei Stunden berichteten signifikant mehr Patientinnen in der TEAS-Gruppe von einer klinisch relevanten Symptomlinderung (77,6 % vs. 55,2 %, p < 0,001). Zudem lag die Rückfallrate innerhalb von 24 Stunden in der TEAS-Gruppe erheblich niedriger (12,2 % vs. 56,3 %; p < 0,001). Im Rahmen der Crossover-Behandlung zeigte sich, dass sich TEAS auch als Rescue-Therapie bei ungenügender Linderung durch Metoclopramid wirksam einsetzen lässt.
Die Autoren um Dr. Dong-yu Zeng, Abteilung für Anästhesie am Shanghai Chanzheng Hospital, führen die Effekte unter anderem auf neurohumorale Mechanismen, die Modulation zentraler Neurotransmittersysteme sowie eine Verbesserung der gastrointestinalen Motilität zurück.
Insgesamt liefert die Studie ihrer Ansicht nach belastbare Evidenz dafür, dass die Akupunktur mittels transkutanem elektrischem Stimulationsgerät eine effektive, nichtpharmakologische Behandlungsoption für moderate bis schwere postoperative Übelkeit und Erbrechen ohne relevante Nebenwirkungen darstellt. Sie liesse sich als Alternative oder Ergänzung zu etablierten medikamentösen Therapien einsetzen.
Zheng D et al. Transcutaneous Electrical Acupoint Stimulation vs Metoclopramide for Moderate to Severe Postoperative Nausea and Vomiting. JAMA Surg. 2026; 161(3): 268–273. doi:10.1001/jamasurg.2025.6394.
