Subkutane Immuntherapie beim Lungenkarzinom?
Weniger Zeit in der Tagesklinik, geringerer Pflegeaufwand und zugleich höhere Patientenzufriedenheit – die subkutane Verabreichung von Atezolizumab erleichtert die Versorgung von Patienten.

Lépoldine Du Manoir de Juaye, PharmD, von Roche Pharma SAS in Boulogne-Billancourt, stellte auf dem ECCL 2026 eine retrospektive Studie vor. Sie untersuchte, wie subkutanes Atezolizumab die Abläufe in der Tagesklinik beeinflusst.
Atezolizumab ist seit Oktober 2024 in Frankreich als subkutane Immuntherapieoption für mehrere Lungenkarzinom-Entitäten sowie das hepatozelluläre Karzinom verfügbar. Die Analyse umfasste zehn Zentren mit unterschiedlichen Organisationsstrukturen und durchschnittlich 106 Patienten mit Indikation zur Immuntherapie (1).
Die durchschnittliche Nutzungsrate der subkutanen Applikation lag bei 17,2 %, variierte jedoch je nach Indikation.
Subkutane Immuntherapie entlastet Tagesklinik und Pflegepersonal
Ein zentrales Ergebnis der Analyse war die signifikante Reduktion der Aufenthaltsdauer in der Tagesklinik. Im Durchschnitt verkürzte sie sich um 37 %, von 148 auf 94 Minuten – ein Zeitgewinn von 54 Minuten. Besonders relevant war die nahezu halbierte Sitzzeit der Patienten (–49 %). Parallel dazu reduzierte sich der pflegerische Aufwand pro Patient um etwa 36 %, von 40 auf 22 Minuten.
Eine Simulationsanalyse zeigte, dass ein Anstieg des Anteils subkutaner Therapien von 13,6 % auf 50 % erhebliche organisatorische Vorteile bringen könnte: Der jährliche Pflegeaufwand würde um 118 Stunden sinken, die Belegungszeit der Behandlungsstühle um 468 Stunden. Zudem könnten Verbrauchsmaterialien im Wert von etwa 6179 € eingespart werden. Die freiwerdenden Kapazitäten ermöglichten bis zu 402 zusätzliche subkutane Behandlungssitzungen pro Jahr. Diese Daten unterstreichen das Potenzial der subkutanen Applikation zur Effizienzsteigerung in der onkologischen Versorgung.
Patienten bewerten Symptome nach SC- und IV-Therapie ähnlich
Ergänzend dazu präsentierte Dr. Maria Dolores Isla Casado, Onkologin, Hospital Clínico Universitario Lozano Blesa, Zaragoza, Ergebnisse aus der spanischen Kohorte der Phase-II-Studie IMscin002. Diese randomisierte, multizentrische Crossover-Studie untersuchte patientenberichtete Ergebnisse beim Vergleich von subkutanem versus intravenösem (IV) Atezolizumab (2).
Insgesamt wurden 179 Patienten eingeschlossen, davon 39 in Spanien, die die vollständige Analysepopulation bildeten. Die Teilnehmenden wurden 1 : 1 randomisiert: entweder zunächst SC gefolgt von IV oder umgekehrt. Nach sechs Therapiezyklen konnten sie ihre bevorzugte Applikationsform für die Fortsetzungsphase wählen.
Die Ergebnisse zeigten, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) in beiden Armen stabil blieb, ohne relevante Unterschiede in globalem Gesundheitsstatus, körperlicher Funktion oder Rollenfunktion. Auch therapieassoziierte Symptome wurden unabhängig von der Applikationsform ähnlich wahrgenommen.
Patienten bevorzugen subkutane Therapie
Deutlich unterschieden sich jedoch die Bewertungen hinsichtlich Komfort und Zufriedenheit. Die subkutane Therapie wurde signifikant besser bewertet, mit mittleren Score-Werten von 84,6 gegenüber 72,4 für die IV-Formulierung im Bereich «Convenience» sowie 78,5 gegenüber 69,5 im Bereich «Satisfaction». 73,1 % der Patienten stuften die SC-Gabe als «(sehr) komfortabel» ein, verglichen mit 41,4 % unter IV. Zudem fühlten sich 80,8 % durch die Behandlungsdauer unter SC «überhaupt nicht beeinträchtigt», gegenüber 48,3 % unter IV.
Auch die Gesamtzufriedenheit fiel zugunsten der subkutanen Applikation aus: 80,8 % der Patienten waren «(sehr) zufrieden» mit SC gegenüber 62,1 % mit IV. Bemerkenswert ist zudem, dass 44 % der Patienten die SC-Therapie «definitiv» weiterempfehlen würden, verglichen mit 24% unter intravenöser Behandlung. Entsprechend entschieden sich 80% der Teilnehmenden in der Fortsetzungsphase für die subkutane Formulierung.
- Du Manoir de Juaye L et al. Annals of Oncology (2026); 11 (suppl_3): 1–10. 10.1016/esmoop/esmoop106859.
- Dolores Isla Casado M et al. ELCC 2026; Abstract 168eP. Annals of Oncology (2026) 11 (suppl_3): 1-97. 10.1016/esmoop/esmoop106307