Medical Tribune
24. Mai 2026Proteinurie scheint ein wichtiges Warnsignal zu sein

Chronische Nierenerkrankung erhöht Risiko für kognitive Defizite

Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD) haben ein höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen. Vor allem die Proteinurie scheint dabei ein wichtiger Marker zu sein.

Ärztliches Gespräch über chronische Nierenerkrankungen: Proteinurie könnte ein wichtiger Marker für spätere kognitive
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Forscher um Zhijie Huang, Tulane University School of Public Health and Tropical Medicine, New Orleans, untersuchten in einer prospektiven Kohortenstudie mit 5.607 Teilnehmern (Durchschnittsalter ca. 60 Jahre) den Zusammenhang zwischen dem Schweregrad einer CKD und dem Risiko für neu auftretende kognitive Defizite.

Sie erfassten die Nierenfunktion der Patienten mittels geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) sowie dem Verhältnis von Protein zu Kreatinin im Urin (UPCR). Die kognitiven Funktionen bewerteten sie anhand etablierter neuropsychologischer Tests, wobei sie v. a. globale Kognition, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen einbezogen.

Höhere UPCR, erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen

Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen Nierenfunktion und kognitiver Leistung. Eine höhere UPCR ging mit einem erhöhten Risiko für kognitive Einschränkungen einher. Pro Anstieg der UPCR um eine Standardabweichung erhöhte sich das Risiko für Probleme bei Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit um etwa 21 % und für Einschränkungen der exekutiven Funktionen um etwa 16 %.

Auch eine niedrigere eGFR war mit einem erhöhten Risiko für Beeinträchtigungen in Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit verbunden (ebenfalls etwa 21 %). Dieser Zusammenhang wurde jedoch bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Proteinurie schwächer. Im Gegensatz dazu blieb der Einfluss der Proteinurie auch nach Berücksichtigung der eGFR bestehen, was ihre besondere Bedeutung unterstreicht. Besonders deutlich war die Risikoerhöhung bei Patienten mit gleichzeitig eingeschränkter Nierenfunktion und erhöhter Proteinurie.

Als mögliche Ursachen diskutieren die Autoren mehrere Faktoren: So weisen Niere und Gehirn z. B. ähnlich empfindliche Gefässstrukturen auf, die durch Diabetes und Hypertonie geschädigt werden können.

Zudem kann eine CKD den Blutdruck verschlechtern und so das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen erhöhen. Auch urämische Toxine, die die Blut-Hirn-Schranke schädigen, sowie Entzündungen, oxidativer Stress, Schlafstörungen und Anämie könnten zu kognitiven Beeinträchtigungen beitragen.