Medical Tribune
19. Mai 2026Impfung vereinfachen

HPV-Impfung: Ein-Dosis-Strategie nicht unterlegen

Eine Dosis des bivalenten oder nonavalenten Impfstoffs gegen humane Papillomviren schützt ähnlich gut vor einer persistierenden Infektion mit HPV16 oder HPV18 wie zwei Dosen. Zu diesem Ergebnis kommt eine in Costa Rica durchgeführte Nichtunterlegenheitsstudie.

Junge Frau nach einer Impfung, mit Pflaster auf dem Oberarm.
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Die HPV-Impfung schützt wirksam vor den Hochrisikoviren HPV 16 und 18 und hat das Potenzial, die Mehrzahl der Zervixkarzinome zu verhindern. Das berichtet die US-Forscherin Dr. Aimée Kreimer von der Abteilung für Krebsepidemiologie und -genetik am National Cancer Institute in Rockville (1).

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bereits eine erste Dosis des HPV-Impfstoffs möglicherweise ausreichend vor persistierenden Infektionen mit HPV16 oder HPV18 schützt. Dr. Kreimer überprüfte diese Beobachtung nun zusammen mit weiteren Forschenden aus den USA und Costa Rica in der doppelt anonymisierten randomisierten ESCUDDO-Studie. Zwischen 2017 und 2020 nahmen etwa 20.000 Mädchen aus Costa Rica im Alter von 12 bis 16 Jahren teil.

Zunächst erhielt je etwa die Hälfte der Mädchen eine Dosis einer bivalenten bzw. einer nonavalenten HPV-Vakzine. Sechs Monate später erfolgte die zweite Randomisierung: Entweder erhielten die Teilnehmenden nun die entsprechende Vakzine nochmals oder aber einen Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Impfstoff. So wurde jeweils etwa ein Viertel des Studienkollektivs mit einer oder zwei Dosen der bivalenten beziehungsweise der nonavalenten HPV-Vakzine geimpft. Anschliessend nahmen die Mädchen fünf Jahre lang an halbjährlichen Kontrolluntersuchungen teil, in deren Rahmen unter anderem zervikovaginale HPV-Abstrichtests entnommen wurden.

Als primären Studienendpunkt wählten die Forschenden neu aufgetretene Infektionen mit HPV16 oder HPV18, die mindestens sechs Monate lang persistierten. Erfasst wurden sie im Zeitraum zwischen 12 und 60 Monaten nach der Impfung. Zur Beurteilung der Impfwirksamkeit bildeten sie ein weiteres nicht randomisiertes Kollektiv. Dieses umfasste rund 3000 nicht gegen HPV geimpfte Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren. Sie absolvierten ebenfalls zwei zervikovaginale HPV-Tests im Abstand von sechs Monaten.

Schutzwirkung war ähnlich gut ausgeprägt

Sowohl für die bivalente als auch für die nonavalente HPV-Vakzine erfüllten die Daten die statistischen Kriterien für eine Nichtunterlegenheit der Ein-Dosis-Strategie gegenüber dem Standard-Impfschema bei der Prävention inzidenter, persistierender Infektionen mit HPV16 oder HPV18. Pro 100 Mädchen, die eine Dosis der bivalenten Vakzine erhalten hatten, traten innerhalb der folgenden fünf Jahre 0,13 Infektionen weniger auf als bei den Mädchen, die zwei Dosen des bivalenten Impfstoffs erhalten hatten. Pro 100 Mädchen, die mit dem nonavalenten Ein-Dosis-Schema geimpft worden waren, traten innerhalb von fünf Jahren 0,21 Infektionen mehr auf als bei der Zwei-Dosis-Strategie.

Der Vergleich mit dem ungeimpften Kollektiv ergab: Eine beziehungsweise zwei Dosen der bivalenten Vakzine boten einen Schutz von 98,2% beziehungsweise 97,8% gegen persistierende Infektionen mit HPV16 oder HPV18. Für eine bzw. zwei Dosen der nonavalenten Vakzine errechnete sich eine Schutzwirkung von 97,0 % bzw. 98,5 %.

Finanziellen Aspekt nicht ausser Acht lassen

Die starke Schutzwirkung einer Dosis der bi- beziehungsweise nonavalenten Vakzine gegen persistierende Infektionen mit HPV16 oder HPV18 beruht auf der hohen Immunogenität der Impfstoffantigene. Das erläutert Dr. Ruanne Barnabas von der Abteilung für Infektionserkrankungen am Massachusetts General Hospital und der Harvard-Universität in Boston (2). Sie geht davon aus, dass der schützende Effekt der Ein-Dosis-Strategie mindestens fünf Jahre anhält.

Erklärtes Ziel der WHO ist es, 90 % aller Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren gegen HPV zu impfen. Um die Impfquoten zu steigern, empfiehlt die Organisation deshalb seit 2022 für Mädchen und Frauen bis 20 Jahre als Alternative zum Standard-HPV-Impfschema die Ein-Dosis-Strategie. Dies vereinfache nicht nur die Vakzinierung, sondern reduziere auch die finanziellen Belastungen.