Abdominelles Aortenaneurysma: Ungünstigere Prognose bei Frauen
Das abdominelle Aortenaneurysma (AAA) betrifft überwiegend Männer. Frauen erkranken zwar seltener, haben jedoch ein deutlich höheres Sterberisiko – unter anderem, weil Aneurysmen bei ihnen bereits bei kleineren Durchmessern rupturieren. Auch therapeutisch scheinen sie benachteiligt: Nach endovaskulären Eingriffen müssen Frauen häufiger mit Komplikationen rechnen und zeigen ungünstigere Langzeitergebnisse als Männer, wie eine aktuelle Studie nahelegt.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die endovaskuläre Aneurysmareparatur (EVAR) als Standardtherapie für das infrarenale AAA etabliert. Doch offenbar profitieren Frauen von dieser Methode weniger.
Darauf weisen italienische Forscher um Dr. Antonio Marzano von der Universität Rom hin. In ihrer systematischen Übersichtsarbeit analysierten sie 15 Studien mit insgesamt mehr als 500.000 Eingriffen.
Höhere perioperative Mortalität und Morbidität
In der grössten EVAR-spezifischen Metaanalyse lag die 30-Tage-Mortalität bei Frauen um etwa 70 % höher als bei Männern (OR 1,73), die intrahospitale Sterblichkeit sogar um 90 % (OR 1,90). Zudem fanden die Wissenschaftler bei Frauen erhöhte Risiken für Extremitätenischämien (etwa 2,4-fach) sowie renale und kardiale Komplikationen (jeweils etwa 1,7-fach). Auch die langfristige Gesamtmortalität war bei Frauen erhöht (Hazard Ratio 1,23).
Aktuelle Registerdaten zeigen, dass sich die adjustierte Mortalität zwischen Frauen und Männern kaum unterscheidet, Frauen jedoch weiterhin deutlich häufiger von zugangsbedingten Komplikationen betroffen sind, so z. B. vermehrte Extremitätenischämien (5,3 % vs. 3,2 %) und schwere Blutungen (22,0 % vs. 15,9 %) aufweisen. Bei komplexen Eingriffen wie fenestrierten oder verzweigten EVAR war die perioperative Mortalität und Komplikationsrate bei Frauen etwa doppelt so hoch. Auch nach rupturiertem AAA blieb das Langzeitüberleben bei Frauen deutlich schlechter: Nach acht Jahren lebten noch 36,7 % der Patientinnen, gegenüber 49,5 % der Männer.
Trotz Fortschritten in der Gerätetechnologie und perioperativen Versorgung haben Frauen damit ein höheres perioperative Risiko und schlechtere Langzeitergebnisse als Männer. Die Gründe dafür sind multifaktoriell. Frauen weisen einerseits kleinere iliofemorale Gefässe, stärkere Gefässkrümmungen und ungünstigere Aneurysmaformen auf, was den operativen Zugang erschwert und das Komplikationsrisiko erhöht. Ausserdem wird das AAA bei Frauen oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, weil sich Screening-Programme überwiegend an Männer richten. Damit sind Frauen sind zum Zeitpunkt der Behandlung im Durchschnitt älter und multimorbider als Männer. Gleichzeitig bleibt die unzureichende Repräsentation von Frauen in klinischen Studien ein zentrales Problem.
Klare Konsequenzen für die Praxis
Die Ergebnisse zeigen, dass Diagnostik, Therapieplanung und Nachsorge stärker geschlechtersensibel ausgerichtet werden müssen. Schon vor dem Eingriff sollte man bei Frauen den Gefässzugängen besondere Aufmerksamkeit widmen, etwa mit einer detaillierten CT-Angiografie. Alternative Zugangswege sowie präventive Massnahmen zum Schutz von Herz und Nieren können helfen, Komplikationen zu vermeiden. Nach dem Eingriff profitieren Frauen von einer engmaschigeren Nachsorge mit strukturierter Langzeitüberwachung. Bei komplexen Eingriffen sollten die Behandler zudem frühzeitig über das erhöhte Risiko aufklären und in Einzelfällen auch eine offene Operation in Betracht ziehen.
Auch auf systemischer Ebene besteht Handlungsbedarf: Geschlechtsspezifische Auswertungen sollten Standard sein, und Frauen sollten in Studien angemessen vertreten sein.
Marzano A et al. Sex Differences in Outcomes After Endovascular Abdominal Aortic Aneurysm Repair: A Systematic Review and Narrative Synthesis. Rev Cardiovasc Med. 2026; 27(3): 47920. doi: 10.31083/RCM47920.