Vitamine und Spurenelemente in der Wundheilung
Vitamine und Spurenelemente sind wichtig für den Aufbau von Gewebe. Ein Mangel kann daher die Wundheilung beeinträchtigen. Doch welche Mikronährstoffe sind besonders wichtig und wann ist eine Supplementierung sinnvoll?

Auch wenn ausgeprägte Mangelkrankheiten hierzulande selten sind, können latente Nährstoffdefizite auftreten. Insbesondere bei der Wundheilung sind solche Defizite relevant, denn sie können die Genesung verzögern.
Vitamin C als Cofaktor der Kollagensynthese
So fungiert Vitamin C als Coenzym bei der Kollagensynthese. Das wasserlösliche Molekül kommt vor allem in Sanddorn, Paprika, Schwarzer Johannesbeere, Brokkoli und Zitrusfrüchten vor. Der tatsächliche Gehalt in den Produkten hängt allerdings stark vom Erntezeitpunkt und Transport sowie von der Lagerung und Zubereitung ab, erklärte Dr. Kristin Häseler-Ouart vom Universitätsklinikum Jena.
Die empfohlene Tagesdosis für über 65-Jährige liegt für Frauen bei 95 mg und für Männer bei 110 mg. Raucherinnen und Raucher weisen mit 135 mg bzw. 155 mg einen erhöhten Tagesbedarf auf. Ein schwerer Vitamin-C-Mangel äussert sich durch Gingivitis, Zahnausfall und Zahnfleischbluten. In seltenen Fällen kommt es zu Korkenzieherhaaren. Manche Betroffene neigen zu Hämatomen. Schwere Formen wie Skorbut treten hierzulande sehr selten auf, stattdessen kommt es bei Mangelernährten eher zu einer Vorstufe, so die Expertin.
Auch wenn die Studienlage zur Substitution noch unzureichend ist, geht man davon aus, dass die zusätzliche Vitamin-Gabe bei mangelernährten Patienten die Wundheilung unterstützt, erklärte Dr. Häseler-Ouart. Konkrete Empfehlungen gibt es aber nicht. Im Klinikalltag supplementierten sie und ihr Team dennoch intravenös.
Vitamin A beeinflusst Zellwachstum und Differenzierung
Auch Vitamin A spielt bei der Wundheilung eine Rolle. Retinol ist u. a. an der Genregulation des Zellwachstums und der Differenzierung von Keratinozyten beteiligt. Das fettlösliche Vitamin findet sich ausschliesslich in tierischen Produkten wie Innereien (insbesondere Leber), Fisch, Eiern und Milchprodukten. Pflanzliche Nahrungsmittel wie gelb-orangenes Gemüse und Obst (z. B. Karotten, Kürbis, Paprika und Aprikosen) sowie dunkelgrünes Blattgemüse (z. B. Spinat und Grünkohl) enthalten seine Vorstufen.
Da sich die Bioverfügbarkeiten von Retinol und der Provitamine unterscheiden, wird die empfohlene Tageszufuhr als Retinolaktivitätsäquivalent (RAE) angegeben. Sie liegt für über 65-jährige Frauen bei 700 µg und Männer bei 800–850 µg RAE.
Die Symptome bei einem Vitamin-A-Defizit sind recht unspezifisch. Als ein erster Hinweis gilt die Nachtblindheit. Bitot-Flecken sind möglich. Auch trockene Haut kann ein Indiz sein. Bei Kindern ist das Wachstum eventuell gestört. Zu einem starken Mangel kommt es in westeuropäischen Ländern aber selten. Die derzeitige Datenlage bietet keine Basis für eine Empfehlung zur Dosierung, um die Wundheilung zu unterstützen.
Vitamin E nur selten relevant
Vitamin E fungiert als Radikalfänger und schützt die Lipide der Zellmembran vor oxidativer Schädigung. Mangelzustände treten aufgrund der Speicherfähigkeit in den Fettgeweben selten auf. Daher gibt es keine Evidenz, dass man zusätzlich supplementieren sollte, erklärte die Expertin.
Eisenmangel verschlechtert die Sauerstoffversorgung
Ein Defizit an Eisen führt zu einer verminderten Hämoglobin- und Myoglobinsynthese und somit zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe. Zudem ist das Metall ein wichtiger Baustein in der Kollagensynthese. Der Körper kann das zweiwertige Eisen aus tierischen Produkten wie Fleisch und Wurstwaren leichter und schneller verwerten als das dreiwertige Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Kaffee, schwarzer Tee u. a. hemmen die Aufnahme. Das werde im Klinikalltag oft vernachlässigt, betonte Dr. Häseler-Ouart. So gebe man den Patienten die Mittel oft zum Frühstückskaffee dazu.
Vitamin C wiederum verbessert die Aufnahme. Die Geriaterin empfiehlt daher, Eisenpräparate zusammen mit Vit–amin-C-haltigen Speisen, Getränken oder Nahrungsergänzungsmitteln zu verabreichen. Der Tagesbedarf für Menschen über 65 Jahre liegt bei 14 mg (Frauen) bzw. 11 mg (Männer). Ein Eisendefizit gilt als der häufigste Ernährungsmangelzustand weltweit. Gekennzeichnet ist dieser durch Mundwinkelrhagaden. Die Evidenz über den Zusammenhang von Eisenmangel und Wundheilung sei jedoch begrenzt, erklärte die Expertin. Es wird dennoch empfohlen, einen Eisenmangel zu korrigieren, um den Nährstofftransport zu ermöglichen und eine Gewebehypoxie auszugleichen.
Zinkmangel zeigt sich häufig an der Haut
Zink fungiert ebenfalls als Cofaktor für die Kollagensynthese. Es ist mitverantwortlich für den Verhornungsprozess der Haut und die Produktion von Bindegewebe. Der Körper kann Zink nicht speichern, weshalb es wichtig ist, es von aussen stetig zuzuführen. Das Spurenelement ist u. a. in Innereien, Fisch, Meeresfrüchten, rotem Fleisch und Weizen enthalten. Die Aufnahme aus tierischen Produkten ist effizienter als aus pflanzlichen. Allerdings hängt die Zufuhr stark von der Phytatingestion ab, betonte die Referentin (s. Kasten).
Die empfohlene Tagesmenge an Zink hängt somit auch vom Phytatanteil der Lebensmittel ab. Für Erwachsene über 65 Jahre liegt diese bei 7–10 mg für Frauen bzw. 11–16 mg für Männer. Ein führendes Symptom eines Zinkmangels ist die Wundheilungsstörung. Es kommt zu einer Acrodermatitis.
Auch wenn der Wert im Serum unauffällig erscheint, sollte bei klinischen Anzeichen eines Zinkmangels eine Substitution in Erwägung gezogen werden – denn Zink lässt sich nicht genau messen. Als Referenz eignet sich die Albuminbestimmung, da das Spurenelement im Blut an Albumin gebunden ist.
Rolle von Selen noch unklar
Selen dient als Cofaktor antioxidativ wirkender Enzyme. Zu den Quellen gehören Brokkoli, Zwiebeln, Linsen und Spargel. Die Rolle von Selen in der Wundheilung ist grösstenteils noch ungeklärt, merkte Dr. Häseler-Ouart einschränkend an. Sie berichtete aber über Kolleginnen und Kollegen aus der Palliativmedizin, die sich klar für den Einsatz aussprechen. Mit Studiendaten liesse sich das aber nicht untermauern, so die Expertin.
Supplemente nur bei tatsächlichem Mangel
Es gebe keine grundsätzlichen Empfehlungen, Supplemente oral zu geben, wenn kein Mangelzustand vorliegt, betonte die Referentin abschliessend. Nur bei Defiziten oder klinischen Symptomen sollte ausgeglichen werden. Am wichtigsten sei jedoch eine ausgewogene
Ernährung.