Statine bis ins hohe Alter?
Eine israelische Kohortenstudie deutet darauf hin, dass Statine auch bei Menschen über 80 Jahren die klinischen Ergebnisse verbessern können.

Während Statine für die Primärprävention bei 40- bis 75-Jährigen gut untersucht und empfohlen sind, fehlen klare Daten für sehr alte Menschen. Die Evidenz ist begrenzt und teils widersprüchlich. Ziel der Studie war es, anhand realer Versorgungsdaten den Nutzen und die Sicherheit einer primärpräventiven Statin-Therapie bei über 80-Jährigen zu bewerten.
Dr. Ophir Lavon und sein Team vom Carmel Medical Center in Haifa analysierten elektronische Gesundheitsakten und Apothekendaten. Sie untersuchten 15.745 Personen ab 80 Jahren (mittleres Alter 84,5 Jahre) ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Davon erhielten 8.413 Statine, etwa zwei Drittel der Teilnehmenden waren Frauen. Rund zwei Drittel waren Frauen. Ausgeschlossen wurden unter anderem Patienten mit vorherigen kardiovaskulären Ereignissen, Dialysepflicht oder Tod innerhalb des ersten Jahres nach Studieneinschluss.
Als primäre Endpunkte definierten die Forscher die Gesamtmortalität und neu auftretende koronare Ereignisse. Zusätzlich untersuchten sie potenzielle Nebenwirkungen wie Myopathie, Demenz und Diabetes mellitus. Zur Beurteilung des Zusammenhangs zwischen der Einnahme von Statinen und dem klinischen Outcome wurden um potenzielle Störfaktoren bereinigte Cox-Proportional-Hazards-Modelle verwendet.
Nutzen nimmt mit steigender Adhärenz zu
Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug etwa vier Jahre. Während dieses Zeitraums zeigte sich bei den Statin-Anwendern eine signifikant geringere Gesamtmortalität. Die Sterblichkeit war relativ um 31 % reduziert (HR 0,69; p < 0,001). Darüber hinaus liess sich eine Reduktion neuer koronarer Ereignisse um 20 % beobachten (HR 0,80; p = 0,008). Auch die Inzidenzrate koronarer Ereignisse pro 10 000 Patientenjahre lag in der Statin-Gruppe niedriger als in der Vergleichsgruppe ohne Statin-Therapie.
Zusätzliche Analysen zeigten, dass der Nutzen der Therapie mit der Adhärenz zunahm: Bei Patienten mit hoher Therapietreue war die Mortalitätsreduktion stärker ausgeprägt als bei geringerer Adhärenz. Zudem zeigte sich, dass ein Absetzen der Statin-Therapie vor dem 80. Lebensjahr mit einem Verlust der beobachteten Vorteile verbunden war. Patienten, die ihre Therapie fortsetzten oder erst nach dem 80. Lebensjahr begannen, hatten ein signifikant geringeres Risiko für koronare Ereignisse als jene, die die Behandlung zuvor beendet hatten.
Bezüglich möglicher Nebenwirkungen fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Statin-Anwendern und -Nichtanwendern. Weder für Myopathie noch für neu diagnostizierten Diabetes mellitus oder Demenz liess sich ein erhöhtes Risiko nachweisen.
Auch wenn die Aussagekraft der Studie durch das retrospektive Studiendesign, die Beschränkung auf eine einzelne regionale Datenquelle und potenzielle Bias eingeschränkt ist, halten die Autoren die Ergebnisse aufgrund der grossen Kohorte und der guten Qualität der Daten für robust: Sie sprechen dafür, dass eine Fortführung der Statin-Therapie zur Primärprävention im sehr hohen Alter potenziell klinische Vorteile bieten kann.
