Präeklampsie: Geplante Geburt senkt Risiko um 30 %
Die meisten Fälle von Präeklampsie treten um den Geburtstermin auf. Bisher gibt es keine effektive Strategie, um diese zu verhindern. Eine wirksame Prävention könnte die gezielt geplante Geburt am Termin darstellen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Präeklampsie gehört weltweit zu den wichtigsten Ursachen maternaler und perinataler Morbidität und Mortalität und betrifft etwa 3 % aller Schwangerschaften. Sie kann frühzeitig in der Schwangerschaft (prätermine Präeklampsie) oder – viel häufiger – erst um den Geburtstermin auftreten.
Das Risiko für eine Präeklampsie vor dem Geburtstermin lässt sich bereits in der 11.–13. Schwangerschaftswoche (SSW) abschätzen. Risikomodelle der Fetal Medicine Foundation (FMF) identifizieren so rund 75 % der Frauen, die später eine prätermine Präeklampsie entwickeln. Mehr als die Hälfte aller derartigen Fälle lassen sich verhindern, wenn Schwangere mit erhöhtem Risiko prophylaktisch niedrig dosierte Acetysalicylsäure einnehmen. Allerdings hat diese Massnahme keinen wesentlichen Einfluss auf Präeklampsien am Geburtstermin, die mehr als drei Viertel aller Fälle ausmachen.
Mehr als 8000 Frauen nahmen an der Studie teil
Auch für die termingerechte Präeklampsie lässt sich das Risiko abschätzen. Am zuverlässigsten gelingt das mithilfe des FMF-Risikomodells in den SSW 35 + 0 bis 36 + 6. Dieses Modell kombiniert maternale Risikofaktoren mit dem mittleren arteriellen Blutdruck sowie den Serumkonzentrationen angiogener Biomarker und identifiziert ca. 70 % der Frauen, die anschliessend eine Präeklampsie entwickeln. Trotz dieser verbesserten Risikostratifizierung lassen sich Präeklampsien um den Geburtstermin aber nicht wirksam verhindern.
Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass eine geplante Geburt am Termin das Präeklampsie-Risiko senken könnte. Ein Team aus Wissenschaftlern um Dr. James Goadsby
vom King’s College Hospital in London untersuchte, ob ein risikobasiertes Screening in der 36. SSW mit anschliessender geplanter Geburt das Auftreten einer Präeklampsie reduziert. Für diese offene, randomisierte kontrollierte Studie an zwei geburtshilflichen Zentren im Vereinigten Königreich wurden über 8000 Teilnehmerinnen zufällig im Verhältnis 1:1 entweder der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeteilt.
Geplante Geburt reduzierte Präeklampsierisiko um 30 %
Für die Frauen der Interventionsgruppe berechneten die Forschenden das Präeklampsierisiko anhand des FMF-Risikomodells. Bei einem errechneten Risiko von mindestens 1:50 boten sie ihnen eine geplante Geburt zwischen der 37. und 40. SSW an. Teilnehmerinnen mit niedrigerem Risiko erhielten die übliche geburtshilfliche Betreuung.
Die Ergebnisse zeigten, dass die geplante Geburt die Präeklampsierate bei Hochrisiko-Patientinnen signifikant reduzierte. Während in der Kontrollgruppe 5,6 % eine Präeklampsie entwickelten, trat diese in der Interventionsgruppe nur bei 3,9 % der Frauen auf. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion von etwa 30 %. Um einen Fall von Präeklampsie zu verhindern, müssten etwa 13 Frauen in der 36. SSW gescreent und bei erhöhtem Risiko eine geplante Geburt zwischen der 37. und 40. SSW angeboten werden, schätzten die Forscher.
Komplikationsraten nicht erhöht
Weder die Rate an Notkaiserschnitten noch die Aufnahmen auf eine neonatologische Station unterschieden sich wesentlich. Auch postpartal nahm die Anzahl an Präeklampsien nicht zu. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren vergleichbar und insgesamt selten. Schwangerschaftshypertonien traten in der Interventionsgruppe zwar etwas häufiger auf, dies fiel jedoch angesichts der signifikanten Reduktion der Präeklampsiefälle klinisch kaum ins Gewicht.
Bemerkenswert war die hohe Teilnahmequote an der Studie und die geringe Rate an Studienabbrüchen, was darauf hindeutet, dass die geplante Geburt am Termin für die betroffenen Frauen offenbar attraktiv war. Eine risikobasierte Geburtsplanung dürfte künftig also eine wichtige Rolle in der Prävention der Präeklampsie spielen – und könnte perspektivisch auch Eingang in klinische Leitlinien finden, so die Autoren.
Goadsby J et al. Scheduled birth at term for the prevention of pre-eclampsia (PREVENT-PE): an open-label randomised controlled trial. Lancet. 2026; 407(10523): 67–77. doi: 10.1016/S0140-6736(25)01207-3