Medical Tribune
28. Mai 2026Ärztlicher Abstrich offenbar unnötig

HPV-Screening mit Menstruationsblut

HPV-Tests mit Menstruationsblut könnten zervikale Krebsvorstufen ähnlich zuverlässig erkennen wie ein ärztlicher Abstrich. Eine Studie zeigt: Die selbstständige Probenentnahme per Minipad erreicht bei CIN2+ eine hohe Sensitivität – und könnte Screeningbarrieren senken.

Binde zum Auffangen von Menstruationsblut
Pakawadee/stock.adobe.com

Für die Detektion zervikaler Krebsvorstufen (CIN) braucht es nicht zwangsläufig einen ärztlichen Abstrich – zu diesem Schluss kamen chinesische Forschende um Prof. Dr. Xun Tian, Huazhong University of Science and Technology, Wuhan.

Im Rahmen einer Studie testeten sie in Minipads aufgefangenes Menstruationsblut auf HPV.

Mehr als 3.000 Frauen beteiligten sich

Die Wissenschaftler schlossen 3.068 Frauen zwischen 20 und 54 Jahren mit regelmässigem Zyklus ein. Von allen Teilnehmerinnen wurden drei Proben erhoben: Menstruationsblut und ein ärztlicher Zervixabstrich für HPV-Tests sowie eine Probe für die Dünnschichtzytologie (ThinPrep®). Falls eine dieser Untersuchungen positiv ausfiel, folgte eine Kolposkopie mit Zervixbiopsie.

Der minipadbasierte HPV-Test erreichte eine Sensitivität von 94,7 % für CIN vom Grad 2 oder höher, quasi identisch zum konventionellen Virusnachweis (92,1 %; p = 1,00). Die Spezifität der neuen Methode fiel etwas geringer aus (89,1 % vs. 90,0 %; p = 0,001.) Positiver und negativer Vorhersagewert unterschieden sich allerdings nicht signifikant.

Screeningeffizienz der Verfahren quasi identisch

Mit beiden Verfahren der HPV-Detektion kamen etwa zehn Kolpo­skopien auf einen Nachweis einer hochgradigen Krebsvorstufe (10,1 vs. 9,6; p = 0,82). Insgesamt erwiesen sich 11,0 % der Teilnehmenden als HPV-positiv, 3,5 % waren mit den Hochrisikostämmen HPV 16 und/oder 18 infiziert. Unter Frauen, die eine Kolposkopie erhielten, entdeckten die Ärzte und Ärztinnen 37 hochgradige CIN und ein invasives Zervixkarzinom.

HPV-Tests mit Menstruationsblut böten eine standardisierte, nicht­invasive Alternative zur bisherigen Praxis, resümieren die Forschenden. Eine solche selbstständige Probenentnahme biete u. a. mehr Privatsphäre und überwinde so potenziell kulturelle und psychologische Barrieren. Sie reduziere zudem den Bedarf an spezialisierten Ressourcen sowie die Kosten eines Screeningprogramms.