Medical Tribune
7. Mai 2026Strukturierte Früherkennung und Präventionsstrategien gefragt

Jede 2. Frau nach Geburt langfristig von Inkontinenz betroffen

Auch Jahre nach der ersten Geburt ist Harninkontinenz bei vielen Frauen häufig. Eine spanische Studie identifizierte familiäre Belastung und chronische Erkrankungen als Risikofaktoren, während eine Sectio caesarea offenbar protektiv wirkte.

Junge Mutter trainiert gemeinsam mit ihrem Baby auf einer Yogamatte zuhause.
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Harninkontinenz gilt zwar nicht als schwere Krankheit, beeinträchtigt aber die Lebensqualität deutlich: Unwillkürlicher Urinverlust stört das körperliche, seelische, soziale und sexuelle Wohlbefinden gleichermassen. Dass Harninkontinenz in der Schwangerschaft und in der Zeit danach häufig vorkommt, ist bekannt. Aber wie sieht es fünf bis zehn Jahre nach der ersten Geburt aus? Dieser Frage ging nun ein spanisches Forscherteam nach.

Lola Serrano-Raya und ihr Team an der Universidad CEU Cardenal Herrera in Valencia nahmen 425 Frauen in eine ambispektive Beobachtungsstudie auf, die zwischen 2012 und 2016 entbunden hatten.

Sie wollten herausfinden, wie häufig Harninkontinenz bei erstgebärenden, nichtmenopausalen Frauen fünf bis zehn Jahre nach einer Einlingsgeburt auftritt, welche Risikofaktoren bestehen und wie sich die Erkrankung auswirkt. Die Forscher erhoben und überprüften die Daten durch strukturierte Telefoninterviews und die validierte spanische Version des International Consultation on Incontinence Questionnaire – Urinary Incontinence Short Form (ICIQ-UI-SF).

Kaiserschnitt schützt

Rund ein Viertel der Frauen berichtete subjektiv über typische Inkontinenzsymptome. Der ICIQ-UI-SF zeigte jedoch bei mehr als der Hälfte zumindest eine leichte bis moderate Harninkontinenz. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass insbesondere mildere Formen häufig nicht als behandlungsbedürftig und die Lebensqualität beeinträchtigend wahrgenommen werden.

In multivariaten Analysen erwies sich eine Sectio caesarea im Vergleich zur vaginalen Geburt als protektiv. Dagegen waren eine positive Familienanamnese (Mutter oder Schwester mit Harninkontinenz) und chronische Erkrankungen bzw. Komorbiditäten mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Der BMI spielte hingegen keine Rolle.

Harninkontinenz ist also auch Jahre nach der ersten Geburt häufig und steht mit geburtshilflichen Faktoren, genetischer Prädisposition sowie chronischen Erkrankungen in Zusammenhang. Die Autoren fordern daher eine strukturierte Früherkennung mit validierten Instrumenten und evidenzbasierte Präventionsstrategien im Langzeitverlauf nach einer Entbindung.