ADHS: Kinder mit Methylphenidat im Auge behalten
Kann eine Methylphenidat-Therapie bei Kindern mit ADHS das Risiko für Übergewicht und geringeres Längenwachstum erhöhen? Dieser Frage haben sich koreanische Wissenschaftler angenommen.

Auf der Basis von Daten des koreanischen National Health Insurance Service schlossen die Forscher 34 850 Personen (12 866 präpubertäre Kinder zwischen 6 und 11 Jahren und 21 984 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren) mit neu diagnostizierter ADHS in ihre retrospektive Kohortenstudie ein. Sie matchten die Probanden 1:1 nach Alter, Geschlecht und Einkommen mit Kontrollpersonen ohne ADHS. Die kumulative MPH-Exposition erfassten sie über einen Zeitraum von vier Jahren nach Diagnosestellung. BMI und Körpergrösse bestimmten sie im Alter von 20 bis 25 Jahren.
Die präpubertären Kinder mit ADHS wiesen im Erwachsenenalter einen signifikant höheren adjustierten BMI als die Kontrollen auf (24,3 kg/m2 vs. 23,3 kg/m2, p < 0,001). Die Prävalenz von Übergewicht betrug 44,9 % in der ADHS-Gruppe vs. 35,0 % in der Kontrollgruppe. Schwer übergewichtig waren 14,9 % vs. 9,3 %. Unter MPH-Therapie erhöhte sich das Risiko für Übergewicht noch weiter –mit einer Dosis-Wirkungs-Beziehung, wobei eine kumulative Einnahmedauer von mindestens 365 Tagen mit den höchsten BMI-Werten und Risiken assoziiert war.
Gewicht und Wachstum regelmässig überwachen
Im Vergleich zu den Kontrollen war bei präbubertären Kindern mit ADHS ohne Medikation die Körpergrösse im Erwachsenenalter nicht nicht signifikant kleiner, während sich bei jenen mit MPH-Therapie eine statistisch signifikante, jedoch klinisch geringe Reduktion zeigte (maximal etwa −0,6 cm bei Mädchen mit längerer Exposition). Das Risiko für einen Messwert unterhalb geschlechtsspezifischer Referenzwerte war unter MPH leicht erhöht (adjustierte Odds Ratio 1,08). Vergleichbare, aber schwächere Muster fanden sich bei später diagnostizierten Jugendlichen.
Die Ergebnisse sprechen für einen Zusammenhang zwischen ADHS und einem erhöhten BMI sowie einer geringfügig reduzierten Endkörpergrösse – insbesondere bei längerer MPH-Exposition im Kindesalter. Aufgrund des retrospektiven Designs kann jedoch keine Kausalität abgeleitet werden. Die Befunde unterstreichen die Bedeutung einer regelmässigen Überwachung von Wachstum und Gewicht im Rahmen einer MPH-Langzeittherapie speziell bei präpubertären Kindern.
Song J et al. ADHD and Methylphenidate Use in Prepubertal Children and BMI and Height at Adulthood. JAMA Netw. Open. 2026; 9(1): e2552019. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.52019.
